Die Buche mit der Christusstatue

Im Schwarzwald zieht eine ca. 300 Jahre alte Buche seit Jahrzehnten immer wieder zahlreiche Besucher an. Der Grund: Ihr dicker Stamm umschließt eine Christusstatue, den Balzer Herrgott, der nur noch mit dem Kopf zwischen der Rinde hervorblickt. Doch wie kam die Statue in den Baum? Auch der scheinbar gewöhnliche Buchenstamm ist bei genauerer Betrachtung für diese Baumart eher untypisch.

Buchekern

Die sagenumwobene Buche steht am Wildgutachtal. Ihr Alter lässt sich nur schätzen, 200 -300 Jahre alt soll sie sein. Aus dem Stamm schaut der völlig eingewachsene Balzer Herrgott mit dem Kopf und einem Teil seiner Brust heraus. Zahlreiche Besucher stehen jedes Jahr vor der alten Buche und fragen sich, wie der Balzer Herrgott nur so schnell von dem Baum überwallt werden konnte.

Die Buche umschließt die Staue in kurzer Zeit

Immerhin war er 1927 an den Lenden noch frei, wie Fotos dokumentieren. 1975 war die Figur schon bis unterhalb der Brust eingewachsen und gerade einmal 11 Jahre später stand dem Balzer Herrgott die Rinde schon fast bis zum Halse. Da man befürchtete, dass die Staute aus Kalksandstein vollständig in der Buche verschwinden könnte, schnitt man den Kopf wieder frei.

Die Wunde im Stamm hat man anschließend gegen Pilze und Feuchtigkeit versiegelt. Doch keine 10 Jahre später war es wieder so weit und man schnitt 1995 eine Rille um die Umwallung, um den Überwallungsprozess endgültig zu stoppen. Ob sich die Buche damit bei der Überwallung aufhalten lässt, ist allerdings fraglich. Um zu erfahren, warum die Überwallung so ungewöhnlich schnell voranschreitet, hilft ein Blick in das 19. Jahrhundert, als die Buche damals noch ganz anders aussah.

Früher war die Buche eigentlich ein Busch

In der Mitte des 19. Jahrhunderts handelte es sich bei dem Wald, in der die ungewöhnliche Buche heute steht, vermutlich noch um einen Hutewald. Weidetiere wie Kühe und Ziegen wurden vom Hirten in den Wald getrieben und knabberten an den Zweigen der jungen Bäumchen. Auch unsere Buche mit der Statue blieb dabei nicht verschont. Irgendein Weidetier hat ihr den Haupttrieb abgefressen. Die Buche entwickelte zwar neue Triebe, doch die Weidetiere knabberten immer wieder an ihr. Die Chance, einen buchentypischen glatten und geraden Stamm zu bilden, war für die Buche erst einmal verloren. Stattdessen entwickelte sie sich zu einem Kuhbusch, oder einer sogenannten Weidbuche.

Zehn Triebe verschmelzen zu einem mächtigen Buchenstamm

Erst später wurde die Weidbuche groß genug, sodass die Weidetiere nicht mehr bis zu den mittleren Trieben vordringen konnten. Somit konnten mindestens zehn Triebe der Buche, die sich heute noch am Stamm erkennen lassen, in die Höhe wachsen. Diese entwickelten sich zu einzelnen Teilstämmen. Als die Weidbuche etwa 100 Jahre alt war, fingen die Teilstämme an, miteinander zu verwachsen. Schließlich wurden aus zehn dicken Einzelstämmen ein mächtiger Buchenstamm. Doch vorher kam noch der Balzer Herrgott ins Spiel.

Wie der Balzer Herrgott zur Weidbuche kam

Um die Herkunft und den Namen des Balzer Herrgotts ranken sich viele Geschichten. Oft wird erzählt, er habe lange Zeit in der Nähe der Weidbuche herumgelegen, bis ihn schließlich jemand zwischen den Jahren 1870 und 1880 an der Buche befestigt haben soll. Wie er seine Arme und Beine verloren hat, ist bis heute ungeklärt. Man erzählt, er habe diese schon verloren, bevor er an dem Stamm montiert wurde. Bei genauerer Untersuchung des Stammes, kann man sehen, dass sich die Statue genau zwischen zwei ehemaligen Teilstämmen befindet. Vermutlich wurde die Statue mit dem Eisenskelett, dass an ihrer Rückseite befestigt ist, dort eingeklemmt. Als die Teilstämme zu einem mächtigen Stamm miteinander verwuchsen, wurde der Balzer Herrgott von der Buche dabei mit eingeschlossen.

Durch diese besondere Wuchsform der Buchen entstehen beim Zusammenwachsen der Stämme oft Hohlräume. Verschiedene Höhlenbrüter wie Vögel oder Insekten finden daher ideale Brutplätze in den alten Weidbuchen. Viele dieser 200 bis 300 Jahre alten Bäume sind daher meistens hohl. Auf den ersten Blick scheint die Buche mit dem Balzer Herrgott aus einem mächtigen Einzelstamm zu bestehen. Aber in Wahrheit sind hier zehn Teilstämme miteinander verswachsen. Sehr wahrscheinlich ist das der Grund, warum die Buche die Statue in relativ kurzer Zeit überwallen konnte. Dennoch gilt die Entstehung dieser interessanten Kuriosität als noch nicht vollständig geklärt.

Bilder von der Buche gibt´s hier:

Bilder von der Buche mit der Statue bei Wikipedia

Im 3.Teil der Artikelserie:

… geht es um eine alte Eiche, deren Stamm offensichtlich von einer Mauer aus ins Erdreich wächst. Wieso der Baum wohl scheinbar auf die Mauer sitzt?

Zum 3.Teil der Artikelserie

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