Die Chinesische Winterblüte bringt Frühlingsduft im Winter

Chinesische Winterblüte Chimonanthus praecox

Mitten im Winter sorgt die Chinesische Winterblüte mit ihren Duftwolken für Frühlingsstimmung im Garten. Über die Aromenvielfalt des hübschen Winterblühers, ob dieser Strauch aus der Familie der „Gewürzstrauchgewächse“ tatsächlich als Gewürz dient, wo er im Garten am besten gedeiht und noch mehr Wissenswertes, erfährst du hier.

Frühlingsduft mitten im Winter

Wenige Wochen bevor der Frühling beginnt, bringt der Spätwinter noch einmal eisige Kälte und Raureif übers Land. Doch immer öfter gelingt es der Sonne, für ein paar Stunden zwischen den dunklen Wolkendecken hervorzukommen. An milden Wintertagen liegt dank eines bestimmten Winterblühers sogar bereits ein Hauch von Frühling in der Luft.

Wer zu dieser Zeit in Parks unterwegs ist oder an Gärten vorbeikommt, taucht an manchen Stellen in eine Duftwolke. Der herrlich zarte Duft erinnert an Ylang-Ylang und Jasmin. Viele vergleichen ihn auch mit den Aromen von Vanille, Veilchen oder Narzissen. Von bunten Frühlingsblumen fehlt allerdings weit und breit jede Spur. Woher stammt also der intensive und ungewöhnliche Duft, der sogar ganze Innenhöfe erfüllt?

Beim genaueren Umsehen fällt mitten in der grauen Winterlandschaft ein Zierstrauch mit seinem pastellgelben Schleier auf. Seine gelblichweißen Blüten leuchten wie kleine Laternen im seichten Licht der Wintersonne. Es ist die Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox), die überall den angenehmen Duft verströmt und damit für Frühlingsstimmung sorgt. Oft wird sie auch „Winterorchidee“ genannt, da sie mit den becherförmigen Blüten an winzige Orchideen erinnert. Je weiter sich die Blüten in der Sonne öffnen, umso mehr ähneln sie sogar teilweise kleinen Passionsblumen.

Chinesische Winterblüte Blüte
Die Chinesische Winterblüte wird auch Winterorchidee genannt

Ursprünglich stammt das winterliche Blütenwunder aus den Gebirgswäldern Ost-Chinas. Dort besiedelt die Chinesische Winterblüte Areale bis in 300 Metern Höhe. Obwohl sie bereits im Jahre 1766 als Zierstrauch zu uns nach Europa kam, ist sie eher wenig bekannt und hierzulande nicht allzu oft in den Gärten oder Parks zu finden. In den letzten Jahren entdecken jedoch immer mehr Gärtner die Chinesische Winterblüte als attraktiven Winterblüher. Mit einer Höhe von zwei bis maximal drei Metern eignet sie sich als idealer Solitärstrauch für kleine Hausgärten. Wo sie in die Vorgärten gepflanzt wird, werden Besucher mit einem duftenden Blütenflor empfangen. Vor dem Fenster bietet der Strauch dazu an trüben Wintertagen einen frühlingshaften Ausblick.

Chinesische Winterblüte
Die Chinesiche Winterblüte läutet im Spätwinter den Frühling ein

In recht milden Wintern beginnt das Blütenschauspiel der Winterblüte sogar schon ab Dezember oder zu Weihnachten. Wenn der raue Frost zurückkommt, ist die Blütenpracht allerdings schnell zerstört. Die Pflanze ist daher vorsichtig und öffnet nicht alle Blütenknospen auf einmal. Dadurch hat sie immer genug Blüten auf Reserve. Sobald die Temperaturen wieder etwas ansteigen, dauert es meist nicht lange, bis die Chinesische Winterblüte erneut zahlreiche gelbe Blüten entfaltet. Diesen Trick gegen den Frost setzt die Pflanze solange fort, bis die letzten Blüten im März aufgeblüht sind. Einige Insekten, die im Spätwinter schon unterwegs sind, tanken bereits Energie am reichen Pollen- und Nektarbuffet der Winterblüte. Je näher der Frühling herbei rückt, desto mehr Bienen, Hummeln, Käfer, Fliegen und andere Insekten tummeln sich in den hellgelben laternenähnlichen Blüten.

Chinesische Winterblüte Knospen

Schon gewusst?

Chinesische Winterblüten gelten als Glückssymbol zu Neujahr
In Japan gilt die Winterblüte als Glückssymbol. Zum Neujahrsfest werden daher traditionell ein paar Zweige von dem duftenden Winterblüher in Vasen aufgestellt.

Aus botanischer Sicht gehört die Chinesische Winterblüte zur Familie der Gewürzstrauchgewächse (Calycanthaceae), die insgesamt aus 10 Arten besteht. Bei dem Namen „Gewürzstrauch“ könnte man annehmen, dass die Winterblüte als Gewürz diene. Aber lässt sich der hübsche Zierstrauch wirklich als exotisches Gewürz in der Küche verwenden?

Aromenvielfalt: Ist die Chinesische Winterblüte ein Gewürz?

Anders als die Bezeichnung „Gewürzstrauchgewächs“ vermuten lässt, handelt es sich bei der Chinesischen Winterblüte um kein Gewürz. Im Gegenteil, die Blätter und Samen der Pflanze enthalten sogar giftige Alkaloide, weshalb sie nicht zum Verzehr geeignet ist. In China wird der hübsche Winterblüher schon lange in der Medizin genutzt und aus seinen Blüten Duftstoffe zur Herstellung von Parfum gewonnen.

Die Chinesische Winterblüte ist in ihrer Pflanzenfamilie nicht die einzige, die tolle Aromen verströmt. Ein Verwandter von ihr, der Echte Gewürzstrauch (Calycanthus floridus), stammt aus Florida und duftet nach Zimt, Kampfer und Gewürznelken. Er ist daher auch als Nelkenpfeffer bekannt. Am stärksten duftet seine Rinde, über die man weiß, dass sie von den Indianern als Ersatz für Zimt verwendet wurde. Heute nutzt man jedoch den Echten Gewürzstrauch nicht mehr als Gewürz, da er ebenfalls giftig ist.

Doch das ist längst nicht alles, was die Aromenvielfalt dieser Pflanzenfamilie zu bieten hat. Ab Mai öffnet der Echte Gewürzstrauch (Calycanthus floridus), der auch hierzulande in den Gärten gedeiht, seine weinroten bis dunkel-lila farbenen Blüten. Diese sehen der Winterblüte sehr ähnlich. Das Besondere: Die Blüten verströmen einen angenehmen Erdbeerduft, der in den Abendstunden immer intensiver wird. Die Parfümindustrie hat die vielfältigen Duftstoffe der Gewürzstrauch-Arten längst für sich entdeckt und stellt aus ihnen herrliche Parfums her. Somit macht die Pflanzenfamilie, auch wenn sie nicht zum Essen geeignet ist, mit ihren würzigen und lieblichen Aromen ihren Namen dennoch alle Ehre.

Chinesische Winterblüte in voller Blüte

Die Chinesische Winterblüte im Garten

Im Garten kommt die Chinesische Winterblüte am besten zur Geltung, wenn man sie als Solitärgehölz pflanzt und zusammen mit anderen Frühblühern kombiniert. Der duftende Winterblüher mag sonnige bis halbschattige Plätze. Ideal sind z. B. Standorte in Vorgärten oder in der Nähe von Mauern, Terrassen und Hauswänden in Südlagen. Hier gedeiht die Winterblüte meist am besten, da sie gerne etwas geschützt steht. Klirrende Kälte von minus 10 °C übersteht die wundervolle Duftpflanze zwar ohne Probleme, doch starker Dauerfrost macht ihr manchmal zu schaffen. So kann es passieren, dass ihre Blütenknospen und einige Zweige erfrieren, wovon sie sich jedoch bald wieder erholt. Deshalb wärmt sich die Chinesische Winterblüte gerne an geschützten Stellen in der Wintersonne auf, die ihre Blüten umso intensiver duften lässt. Generell gehört die Winterblüte zu den anspruchslosen und sehr pflegeleichten Gehölzen für den Garten. Der Boden sollte nährstoffreich und durchlässig sein. Lediglich Trockenheit und Staunässe verträgt die Chinesische Winterblüte nicht.

Wer eine recht junge Pflanze für den Garten gekauft hat, wundert sich meist, warum seine Chinesische Winterblüte noch nicht blüht. Das liegt einfach daran, dass die Pflanze erst ab einem Alter von fünf bis acht oder sogar 10 Jahren anfängt zu blühen. Bei jungen Exemplaren der Chinesischen Winterblüte muss man daher Geduld mitbringen. Umso größer ist die Freude dann bei den Gärtnern, wenn endlich der Winter kommt, in dem die Chinesische Winterblüte zum ersten Mal nach der Pflanzung ihre Blütenpracht entfaltet.

Chinesische Winterblüte Blütenzweige

Botanik Guide Tipp

Sorten mit intensiveren Gelbtönen
Die Wildarten der Chinesischen Winterblüte haben von Natur aus einen helleren Gelbton. Im Handel gibt es allerdings auch Sorten wie z. B. Chimonanthus praecox ’Grandiflorus‘, deren Blüten größer sind und in einem kräftigeren Gelb leuchten. Eine weitere Sorte ist die Winterblüte Chimonanthus praecox ’Luteus‘, die eine rein gelbe Blüte hat und etwas später zu blühen beginnt.

Nach dem frühlingshaften Blütenwunder im Winter wandelt sich die Winterblüte wieder in einen eher unauffälligen Zierstrauch mit hellgrünem Laub. Ab etwa Ende Juni erscheinen dann die runden bis länglichen Kapselfrüchte zwischen den lanzettförmigen Blättern. Die dicken ledrigen Kapseln enthalten ungenießbare Samen. Sobald der Herbst kommt, schmückt die Winterblüte den Garten mit ihrem gelben Laub. Schon bald darauf wird sie mit neuen Blüten für Frühlingsstimmung im Winter sorgen.

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