Ein seltenes Unikat: 200-jährige Silberpappel in Bad Boll

Die Silberpappel an der Gruibinger Straße in Bad Boll hat fast 200 Jahre auf dem Buckel. Ein seltenes Alter für diese Baumart. Doch warum sind alte Pappeln eigentlich so selten? Im Gegensatz zur Silberpappel hört man immer wieder von jahrhunderte alten oder gar 1000-jährigen Buchen, Eichen oder Linden. Worin liegt der Unterschied zwischen diesen Baumarten?

Schwarzpappel Zeichnung von 1903

 

Ein Blick in die Geschichte der imposanten Silberpappel

Silberpappeln galten schon früher als beliebte Zier- und Alleebäume. Die fünflappigen Blätter sind auf der Oberseite dunkelgrün glänzend und auf der Unterseite weiß behaart. Wenn sich das Laub dann im Wind wiegt, sieht es so aus, als würde der Baum silbrig glänzen. Daher kommt der Name Silberpappel. Die Rinde junger Bäume ist zudem weißlich grau. Silberpappeln haben dadurch einen besonders schönen Zierwert. So wurde auch die hübsche Silberpappel in Bad Boll im Jahre 1821 gepflanzt.

 

Mit enormer Wuchsleistung zur Megapappel

Silberpappeln wachsen sehr schnell und können in ca. 40 Jahren mühelos 30 Meter hoch werden. Die Silberpappel in Bad Boll ist ebenfalls kräftig gewachsen. Rund 20 Meter hat sie erreicht und ist den Bürgern von Bad Boll inzwischen ans Herz gewachsen. Mit der Zeit entstand ein beliebter Treffpunkt unter der großen Pappel. An heißen Sommertagen kühlten sich die Bewohner von Boll im Schatten der mächtigen Baumkrone und genossen den tollen Blick auf das Filstal und den Hohenstaufen. Doch diese Zeiten gehören nun der Vergangenheit an. Ein Holzzaun hält mittlerweile die Besucher von der Pappel weiträumig fern. Schuld daran ist ein schwerer Pilzbefall, der dem alterschwachen Baum zu schaffen macht. Dadurch drohen nun Äste herunterzufallen. Die Megapappel hat ihre besten Zeiten schon hinter sich.

 

Warum sind Pappeln so kurzlebig?

Pappeln wachsen im Vergleich zu anderen Baumarten enorm schnell zu mächtigen Baumriesen heran. Damit ist jedoch gleichzeitig deren durchschnittliche Lebenserwartung schneller erreicht. Kurzlebigkeit mag hier zwar auf den ersten Blick als nachteilig erscheinen, doch dort wo Pappeln herkommen, erweist sich diese Eigenschaft als großer Vorteil.

Pappeln zählen zu den kurzlebigen Baumarten, die meist ökologische Nischen besiedeln. Als Pionierbaum sind sie sehr anspruchslos und leben oft in größeren Populationen in den Auwaldgebieten oder entlang größerer Flüssen. Lebensräume wie diese sind ständigen Veränderungen durch natürliche Umwelteinflüsse, wie hier z.B. Überschwemmungen, unterworfen. Pflanzenarten, die schnell heranwachsen und in kurzer Zeit große Mengen Samen zur Sicherung der Nachkommen hervorbringen, haben in diesen speziellen Ökosystemen die besten Überlebenschancen.

Durch ihre kurzen Generationsfolgen ist deren Lebenserwartung allerdings entsprechend geringer als die von langsamwachsenden Baumarten. Auch Weiden Salix sp., Sandbirken Betula pendula, Erlen Alnus sp. oder Ebereschen Sorbus aucuparia sind Beispiele für kurzlebige Pioniergehölze, die die Vorteile kurzer Generationsfolgen als Überlebensstrategie nutzten.

 

Waldbäume können das Wachstum langsamer angehen

Pioniergehölze wie Pappeln besiedeln extreme Lebensräume, die meist nur kurzfristig bestehen bleiben. Waldbäume wie z.B. Eichen Quercs sp., Buchen Fagus sp. oder Linden Tilia sp. können sich beim Wachstum hingegen mehr Zeit lassen. Der Wald, in dem sie leben, hat im Gegensatz zu den anderen Ökosystemen über mehrere Jahrhunderte dauerhaften Bestand. Waldbäume wachsen daher meist langsamer und werden entsprechend alt. Jahrhunderte alte oder tausendjährige Buchen, Eichen oder Linden sind daher keine Seltenheit im Vergleich zu den kurzlebigen Pappeln, die oft nicht mehr als rund 150 bis 200 Jahre erreichen. Silberpappeln können zwar mit 300 – 400 etwas älter werden, dennoch kommt dies selten vor.

 

Der Motorsäge entwischt

Der Zustand der Silberpappel in Bad Boll ist so kritisch, sodass sie beinahe aus Sicherheitsgründen der Motorsäge zum Opfer gefallen wäre. Doch die Bürger von Bad Boll konnten ihre Lieblingspappel mit Protesten und Mahnwachen vor der Motorsäge retten. Die Krone musste 2010 dennoch gekappt werden und einer der Stämmlinge ist mittlerweile abgestorben. Der Stamm ist morsch und stellenweise offen. An einem Teil des Stammes bilden sich große Wucherungen, an denen sogar Brandspuren zu sehen sind.

Neue Untersuchungen im Jahr 2012 ergaben, dass sich der Pilz zunehmend auf dem beliebten Naturdenkmal ausbreitet. Weitere Sicherheitsvorkehrungen wie Seilverbindungen und Kronenreduzierungen folgen, um die alte Silberpappel so lange wie möglich zu erhalten. Vielleicht schafft es die imposante Silberpappel dabei noch ihr 200. Lebensjahr zu erreichen. In der Nähe der alten Silberpappel wächst inzwischen eine kleinere Pappel heran und könnte einmal deren Nachfolgerin sein.

 

Bilder & mehr Infos zur Silberpappel von Bad Boll gibt´s hier:

Silberpappel in Bad Boll bei Mounumentaltrees.com

 

Im 6.Teil der Artikelserie:

Früher waren sogenannte Tanzlinden sehr beliebt und weit verbreitet. Doch was ist eine Tanzlinde und welche Bedeutung hatten diese Bäume für die Menschen damals?

Zum 6.Teil der Artikelserie

 

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