Die Kiwi in neuen Farben: So schmecken gelbe & rote Kiwifrüchte

Grüne und gelbe Kiwi-Früchte

Die Kiwi wird schon über 1.200 Jahre in Südostasien kultiviert, wurde aber erst in den 1970ern bei uns bekannt. Ihr Markenzeichen: das typisch grüne Fruchtfleisch und die braune pelzige Schale. Seit neuestem gibt es jedoch gelbe und rote Kiwis, deren Schale sogar haarfrei ist. Einen Einblick in ihre Kulturgeschichte und wie gelbe und rote Kiwis die Herzen der Obstfans erobern, mehr dazu in diesem Beitrag.

Ein kurzer Einblick in die Geschichte der Kiwi

Die Kiwi gehört zu den beliebtesten exotischen Früchten. An warmen Tagen sind die saftig grünen Früchte mit ihrer spritzigen süß-säuerlichen Note eine angenehme Erfrischung und erinnern uns an den Sommerurlaub. Aus den Lebensmittelläden ist sie deshalb nicht mehr wegzudenken. Im Vergleich zu anderen Obstarten ist die Kiwi allerdings recht neu auf dem Markt. Bis vor rund 70 Jahren war die braune pelzige Frucht in Europa noch völlig unbekannt und hatte sogar einen anderen Namen.

Die Kiwi kommt ursprünglich aus China

Oft wird angenommen, die Kiwi stamme aus Neuseeland. Tatsächlich haben die meisten Kiwis, die wir im Supermarkt finden, dort ihren Ursprung. Das Land ist der weltweit größte Produzent der Früchte, da die Pflanzen im neuseeländischen Klima ideale Wachstumsbedingungen haben. Die wahre Heimat der Kiwi liegt jedoch in China, wo sie schon seit mehr als 1.200 Jahren kultiviert wird. Die ersten Kiwisamen gelangten allerdings erst im Jahre 1904 nach Neuseeland, wo man schließlich Kultursorten mit größeren Früchten züchtete.

Im Jahre 1952 wurde der außergewöhnliche Exot dann erstmals auf einem Londoner Obstmarkt angeboten. Damals hieß die aus Neuseeland importierte Obst-Neuheit noch „Chinesische Stachelbeere“. Diese kam bei den Kunden so gut an, dass die ersten 20 Kisten schnell ausverkauft waren. Um der großen Nachfrage nachzukommen, importierte man im nächsten Jahr gleich 1.500 weitere Kisten.

Strahlengriffel? Chinesische Stachelbeere? – Ein neuer Name musste her!

Den Namen „Chinesische Stachelbeere“ empfand man jedoch als nicht besonders attraktiv für die köstliche Exotenfrucht. Hierzulande wird die Kiwi in der Botanik übrigens auch unter der seltsam klingenden Bezeichnung „Chinesischer Strahlengriffel“ geführt. Diesen Namen erhielt sie aufgrund ihrer weiblichen Blüte, deren Griffel rund um die Narbe wie in einem strahlenförmigen Kranz angeordnet sind. Zur besseren Vermarktung benannten die Neuseeländer die neue Obstart im Jahre 1959 nach dem Nationalvogel Neuseelands – dem Kiwi. Tatsächlich sieht die Frucht dem kleinen putzigen Vogel sehr ähnlich, da sie fast genauso rund, braun und pelzig ist. Unter dem einfacheren Namen „Kiwi“ ist das beliebte Obst heute weltweit bekannt. Ihren Siegeszug setzte die Kiwi schließlich international fort. In den 70er Jahren kam sie auch zu uns nach Deutschland und galt bis in die 80er als Trendfrucht.

Heute gibt es auch gelbe und rote Kiwi-Früchte

Die meisten kennen die Kiwi nur mit grünem Fruchtfleisch. Ihr typischer Grünton ist mittlerweile so bekannt und beliebt, dass die Bezeichnung „Kiwigrün“ im Alltag gerne für helle gelb-grüne Farbtöne verwendet wird. Inzwischen gibt es die Kiwi aber auch in anderen Farben. Vor wenigen Jahren kamen Sorten mit gelbem Fruchtfleisch auf den Markt und gelten schon jetzt für viele als Favorit. Seit neuestem sind sogar rote Kiwis erhältlich. Die bunten Kiwis haben mehrere Vorteile gegenüber den klassisch grünen und erweitern die Geschmackspalette des beliebten Exoten.

Grüne, gelbe und rote Kiwis im Porträt

Grüne Kiwis (Actinidia deliciosa) – Der süß-säuerliche Klassiker

Botanisch gesehen gehören Kiwis zur Pflanzenfamilie der Strahlengriffelgewächse. Lange Zeit hielt man die grünen Kultur-Kiwis für eine Varietät der Wildform der Chinesischen Stachelbeere (Actinidia chinensis). Später bemerkte man jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Früchten der Ur-Pflanzen.

Der Grund: Schon lange bevor die Neuseeländer die Kiwi entdeckten, waren den Chinesen zwei Varianten der Kiwi-Früchte bekannt. So nannten sie die Art mit den weicheren und haarlosen Schalen „Yang-Tao“, heute in der Botanik als „Actinidia chinensis“ bezeichnet. Die andere Variante mit der haarigeren Schale kannten sie als „Mao-Erh-Tao“. Das Wort „Mao“ heißt übersetzt „haarig“.

Kiwi mit grünem Fruchtfleisch

Seit 1984 gelten die klassisch grünen Kiwis daher als eigenständige Art und werden unter dem wissenschaftlichen Namen „Actinidia deliciosa“ geführt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Farbe des Fruchtfleisches. Während A. chinensis fast immer gelbes und selten grünes Fruchtfleisch hat, bildet A. deliciosa nur Früchte mit grünem Fruchtfleisch. Beide Arten stammen außerdem aus zwei verschiedenen Regionen von China.

Schon gewusst?

Warum sind Kiwifrüchte haarig?
Kein Obst ist so pelzig wie die Kiwi. Während z. B. Pfirsiche oder Aprikosen nur mit einer dünnen samtigen essbaren Schale bedeckt sind, besitzt die Kiwi kleine filzartige Härchen. Unter dem Mikroskop betrachtet, erinnert ihre Struktur etwas an grobe braune Wurzel-Härchen. Kein Wunder, dass man sie nicht gerne mitisst. Die Haare schützen die Früchte jedoch vor einem zu hohen Wasserverlust, der durch Verdunstung in heißeren Wachstumsgebieten entstehen kann. Der Pelz sorgt dafür, dass die Kiwifrüchte saftig bleiben und nicht schrumpelig zu werden.

Grüne Kiwis sind bekannt für ihre braune, behaarte Schale und schmecken leicht säuerlich mit einer süßlichen Note. Ihr Geschmack erinnert an eine köstliche Mischung aus Stachelbeeren, Melonen, Erdbeeren, Weintrauben und Bananen.

Gelbe Kiwis (Actinidia chinensis) – Haarlose Schale und süßer im Geschmack

Seit ein paar Jahren erobern Kiwis mit gelbem Fruchtfleisch die Herzen der Kiwi-Fans. Die goldgelbe Sorte ist noch aromatischer und wesentlich süßer als die grüne. Der mild-süße Geschmack erinnert etwas an Mango, Melone, Honig oder Pfirsich.

Viele würden das exotische Obst gerne mit ihrer vitaminreichen Schale essen. Oft ist der grüne Klassiker dafür aber zu pelzig. Die Schale der goldenen Kiwis ist hingegen haarlos und dünner, sodass man sie einfacher mitessen kann.

Rote Kiwis (Actinidia chinensis & A. deliciosa) – Obstrarität mit Waldbeer-Aroma

Rote Kiwis sind zurzeit noch eine Seltenheit in den Obstregalen. Meist werden sie in nur sehr begrenzten Mengen angeboten und sind wegen der hohen Nachfrage schnell ausverkauft. In manchen Ländern, wie z. B. Singapur, hatten Obstliebhaber schon die Gelegenheit, die ausgefallene Neuheit zu probieren. Das saftige rosarote Fruchtfleisch soll angenehm süß nach Waldbeeren schmecken. Die rote Farbe wird dieser besonderen Kiwi durch Anthocyane (sogenannte Pflanzenfarbstoffe, die sich in den Früchten bilden) verliehen. Rotfleischige Kiwis besitzen somit antioxidative Eigenschaften und gelten als sehr gesund. Wie die goldenen Kiwis ist auch die neue rote Sorte komplett haarlos.

Neben dieser gibt es schon länger eine weitere rote Sorte auf dem Markt. Sie ist auch sehr gefragt und selten erhältlich. Bei ihr ist das Fruchtfleisch am äußeren Rand gelb und innen rot. Viele vergleichen das köstliche Aroma ebenfalls mit Waldbeeren wie z. B. Himbeeren. Manche schmecken sogar ein Pfirsicharoma heraus.

Schon gewusst?

Kiwis sind gute Vitamin-C-Lieferanten für den Winter
Die exotischen Früchte erinnern im Winter nicht nur an den warmen Sommerurlaub, sondern liefern auch viel Vitamin C. Etwa 120 bis 300 mg des Vitamins stecken in je 100 g Fruchtfleisch. Dieser Wert unterliegt jedoch manchmal großen Schwankungen und hängt von mehreren Faktoren ab. Je nach Standort, Wetter, Sorte und Reifegrad kann der Vitamin-C-Gehalt etwa 8 bis 10 mal höher liegen als bei Zitronen. Manchmal kann der Wert allerdings auch viel niedriger sein. In der Regel genügen zwei Kiwis, um den Tagesbedarf zu decken. Dazu unterstützt die Kiwi unser Immunsystem mit weiteren gesunden Inhaltsstoffen wie Magnesium, Kalzium und Kalium. Noch mehr Früchte, die reichlich Vitamin C enthalten, findest du hier im Beitrag: Dieses Obst und Gemüse enthält mehr Vitamin C als Zitronen

Kiwis lassen Milchprodukte bitter schmecken
Sobald man frische Kiwis zusammen mit Milch, Joghurt oder Quark isst, schmecken die Milchprodukte nach einer Weile leicht bitter. Die Ursache für diesen Effekt ist das eiweißspaltende Enzym „Actinidin“, das die Kiwis enthalten. Bis das Enzym seine Wirkung entfaltet, vergeht etwa eine halbe Stunde. Milchspeisen mit frischen Kiwis sollte man deshalb schnell verzehren. Das Enzym verhindert zudem, dass Speisen mit Gelatine fest werden. Fleisch lässt es hingegen zarter und um ein Drittel schneller gar werden, wenn es zuvor mit Kiwis eingerieben wurde.

Das könnte dich auch interessieren …