Gartenboden bestimmen und verbessern: So wächst Gemüse üppiger

Zucchini

Bodenkunde im Garten: Auf manchen Böden will das Gemüse trotz guter Pflege nicht wachsen. Woran das liegt und wie du deinen Gartenboden verbessern und somit fruchtbarer und ertragreicher machen kannst, erfährst du hier im Beitrag aus der Botanik Guide Themenwoche „Gemüse anbauen für Anfänger“

Viele Gärtner haben sich schon mit dieser Frage beschäftigt: „Warum wächst mein Gemüse einfach nicht? – Ich habe es doch immer gut mit Wasser und Nährstoffen versorgt, Sonne hat es auch genug! Und in Nachbars Garten sind die Wachstumsbedingungen ja auch nicht viel anders. – Dort wächst der Salat, die Möhren, Zucchini und Tomaten so üppig.“

Wenn das Gemüse trotz guter Pflege nicht wachsen will, liegt es häufig am Boden. Doch warum gedeihen Tomaten & Co. manchmal in dem einen Garten aus der unmittelbaren Nachbarschaft besser als im eigenen? Haben beide nicht den gleichen Boden? Schauen wir uns den Gartenboden zunächst einmal näher an.

Die Natur gibt den Gartenboden vor – Dieser ist für Gemüse aber nicht immer optimal

Ein guter Boden ist die wichtigste Grundlage für gesundes Pflanzenwachstum. Er dient als Wasser- und Nährstoffspeicher. Allerdings erfüllen viele Gartenböden nicht automatisch die optimalen Voraussetzungen für den Gemüseanbau oder zur Kultivierung von Zierpflanzen. Der Grund: Egal wo man einen Garten neu anlegt oder erwirbt, überall hat die Natur andere Bodenverhältnisse vorgegeben, auf denen man später gärtnern wird. Oft muss der Boden daher zunächst verbessert werden, damit auf ihm Gemüse gedeihen kann.

Was alle Gartenböden jedoch gemeinsam haben: Sie bestehen im Groben aus drei Schichten. Die unterste ist eine feste Gesteinsschicht, in der Mitte liegt der Unterboden und die oberste Schicht besteht im Idealfall aus 20 – 30 cm dickem humusreichen Mutterboden.

Je nach Region besteht der Unterboden im Garten entweder aus einem leichten Sandboden, einem mittelschweren Lehmboden oder einem schweren Tonboden. Jeder dieser Unterböden hat seine Vor- und Nachteile, zu denen wir später noch kommen. Auf dieser von der Natur geschaffenen Ausgangsbasis haben wir Gärtner leider wenig Einfluss und müssen die Kulturmaßnahmen an die jeweilige Bodenart anpassen. Noch viel entscheidender für ein üppiges Pflanzenwachstum ist allerdings die fruchtbare Humusschicht, dem sogenannten Mutterboden, der auf dem Unterboden liegt.

Fruchtbarer Mutterboden – das Geheimnis reicher Ernten

Die oberste Mutterbodenschicht ist zwar nur 10 – 30 cm dick, hat aber den größten Einfluss auf das Wachstum und die gesunde Entwicklung der Pflanzen. Durch ihren hohen Humusanteil ist sie äußerst fruchtbar und schafft mit ihrer lockeren Struktur ideale Wachstumsbedingungen im Garten.

Bei Regen saugt der Humus das Wasser wie ein Schwamm auf und funktioniert wie ein Wasser- als auch Nährtstoffspeicher. Gleichzeitig verhindert er Erosion. Da er sich wegen seiner dunklen Farbe in der Sonne schneller erwärmt, kann er im Frühling früher als andere Böden bearbeitet werden. In diesem lockeren, luftigen und gut strukturierten Boden fühlt sich nicht nur das Gemüse besonders wohl, sondern auch zahllose nützliche Bodenlebewesen.

Kürbisblüte

Die Helfer im Humus: Regenwurm, Springschwanz & Co.

In der belebten Humusschicht wimmelt es von Bodenlebewesen und Mikroorganismen. Ohne dass wir es merken, wuselt unter unseren Füßen eine ganze Truppe kleiner Helfer aus Regenwürmern, Springschwänzen, Milben, Asseln, Käfern, Larven, Algen, Pilzen und Bakterien durch den Gartenboden. Jeder von ihnen übernimmt eine andere Aufgabe. Gemeinsam halten sie den Boden fruchtbar, lockern ihn auf, vermehren den Humus und halten Schaderreger in Schach, die die Gemüsepflanzen krank machen könnten.

Ununterbrochen zersetzen die winzigen “unsichtbaren” Gartenhelfer organische Materialien und recyceln sie zu wertvollen Nährstoffen. Nützliche Netzwerker sind in der Erde ebenfalls unterwegs: Mykorrhiza-Pilze bilden mit Pflanzen Symbiosen, indem sie ihre Wurzeln mit ihrem Geflecht umspinnen und mit Nahrung versorgen. Mit ihren weißen Pilzgeflechten bilden sie im Erdreich ein weitreichendes Netzwerk, über das ein reger Nährstoffaustausch stattfindet. Leider fehlt in Gärten, vor allem in neu angelegten, häufig eine gesunde Mutterbodenschicht.

Schon gewusst?

Kurzer Blick in das geheime Leben des Regenwurms
Der Regenwurm ist wohl der bekannteste Vertreter des Bodenlebens. Bis zu 3 kg Regenwürmer tummeln sich in einem 10 m² großen Gemüsebeet. Der Regenwurm ernährt sich ausschließlich von abgestorbenen Pflanzenteilen. Diese recycelt er zu wertvollem Dünger für die Pflanzen, indem er sie in Form von Wurmkot wieder ausscheidet. Während er sich durch das Erdreich wühlt, lockert er den Boden auf, sodass Pflanzen ihn gut durchwurzeln können. Pro Jahr bekommt er bis zu 500 Nachkommen.

So klein die Würmer auch sind, gelingt es ihnen doch in 10 Jahren die Erde um bis zu einem Meter tief umzugraben. Allerdings braucht auch der fleißige Regenwurm mal eine Pause. Ist es dem Regenwurm im Winter zu kalt oder im Sommer zu heiß, sucht er sich tief im Boden einen Platz und wartet dort, bis sich die Lage oben wieder verbessert. Bis dahin ringelt er sich zusammen und schläft.

Vielen Gärten fehlt eine gesunde Humusschicht

Der wertvolle Mutterboden auf unserer Erde ist über viele Jahrtausende entstanden. Durch meist jahrzehntelange intensive und falsche Bewirtschaftung wurden jedoch vielerorts große Teile des Bodens inzwischen zerstört. Auch in Neubaugebieten findet man, sobald Bagger & Co. die Baustelle verlassen haben, häufig auf dem zukünftigen Gartenboden ein Bild der Verwüstung.

Boden nach Bauarbeiten

Auf müden, verdichteten oder gar zerstörten Böden können Pflanzen kaum gedeihen. Besonders unsere anspruchsvollen Gemüsepflanzen kränkeln auf geschwächten Böden mit geringem Humusanteil. Damit ausgelaugte Gartenböden wieder ertragreich und leichter zu bearbeiten sind, muss das Erdreich mit all seinen Bodenlebewesen sozusagen „wiederbelebt“ werden.

Was fördert den Aufbau der Humusschicht?

Das Bodenleben und seine gute Struktur machen den fruchtbaren Humus so wertvoll. Gleichzeitig ist er die Bodenschicht, auf die wir den größten Einfluss haben und ihn somit gezielt verbessern können. Ziel ist es daher, die Humusschicht im Garten kontinuierlich zu vermehren.

Erdboden

Dies gelingt vor allem durch biologischen Anbau, indem der Humus durch Gründüngung, Hinzufügen von Kompost und Mulchen jedes Jahr gefördert wird. Die gesunde und möglichst dicke Humusschicht wirkt dann wie ein Puffer, der die extremen Wachstumsbedingungen von eher ungeeigneten Unterböden ausgleicht. Bevor es mit der Bodenverbesserung losgeht, muss zunächst jedoch erst einmal die Bodenart im Garten bestimmt werden. Doch wie macht man das?

Bodenart im Garten bestimmen mit der Fingerprobe

Im Garten kann man die Bodenart mit der sogenannten Fingerprobe bestimmen. Hierzu nimmt man eine kleine Menge Erde und formt diese mit der Handfläche zu einer Kugel. Anschließend wird versucht die Erdkugel zu einer Wurst zu rollen. Je nachdem wie sich die Erde dabei verhält, kann man grob einschätzen, um welche Bodenart es sich handelt.

Eigenschaften der Bodentypen bei der Fingerprobe

Sandboden lässt sich nicht ausrollen und rieselt stattdessen durch die Finger.

Lehmboden kann man etwa bleistiftdick ausrollen und zerbröckelt nur leicht. Die glatte lehmhaltige Erde hält gut zusammen, bleibt aber nicht an den Händen kleben.

Tonboden ist ähnlich wie Knetgummi und lässt sich auch genauso zu einer dünnen Wurst formen. Er hält sehr gut zusammen, klebt an den Händen.

Eine Bodenanalyse verrät mehr über den Garten

Die Fingerprobe ist recht einfach und gibt ohne weitere Hilfsmittel eine erste Orientierung, welchen Boden man im Garten hat. Zur genaueren Bodenbestimmung ist jedoch eine Standart-Bodenanalyse empfehlenswert, die z. B. von landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten auch für Gärten ab 20 € angeboten wird. Bei der Bodenanalyse wird neben der Bodenart auch der Humusanteil, pH-Wert und der Gehalt der wichtigsten Nährstoffe im Gartenboden ermittelt.

Durch eine Bodenuntersuchung kann man einfach und preiswert herausfinden, wie der Boden im eigenen Garten beschaffen ist und was dem Gemüse möglicherweise fehlt. Anhand der Ergebnisse können dann Dünge- und Pflegemaßnahmen besser angepasst werden. Einige Labore geben sogar auf Wunsch Dünge-Empfehlungen.

Bodenarten und Bodenverbesserung im Überblick

Leichte Sandböden – leicht zu bearbeiten, aber viel zu trocken

Vorteil: Der leicht zu bearbeitende Sandboden erwärmt sich im Frühling schneller und kann von den Pflanzen gut durchwurzelt werden. Einerseits hat er den Vorteil, dass er gut durchlüftet und wasserdurchlässig ist, sodass keine Staunässe entsteht.

Nachteil: Da der Sandboden jedoch Wasser schlecht halten kann, trocknet er rasch aus. Nährstoffe werden dazu leicht ausgewaschen, weshalb diese Böden nährstoffarm sind. Meist kühlen sie auch schnell ab.

Sandböden verbessern: Ziel beim Sandboden ist die Vermehrung der Humusschicht und die Bodenabdeckung, damit Nährstoffe und Wasser besser gespeichert werden. Dies erfolgt am besten durch die Einbringung von Stein- und Tonmehl und der Zugabe von lehmhaltigen Kompost. Bei der Reduzierung des Feuchtigkeitsverlustes hilft eine gute Mulchschicht.

Tipp: Natürliches Tonmineralmehl gibt es hier im Fachhandel*

Mittelschwere Lehmböden – der ideale Gartenboden

Lehmböden mit einem ausgewogenen Mischungsverhältnis aus Sand und Ton sind der Traum vieler Gärtner, da auf ihnen das Gemüse in der Regel am besten gedeiht. Der Grund: Diese Bodenart ist am fruchtbarsten und kann durch ihre lockere Struktur von den Pflanzen leicht durchwurzelt werden. Darüber hinaus sind diese Böden gute Wasser- und Nährstoffspeicher. Im Frühling erwärmt sich der Boden rasch, sodass man früher mit dem Gemüseanbau starten kann.

Lehmböden erhalten: Da man mit dieser Bodenart bereits den idealen Gartenboden hat, gibt es nicht viel zu verbessern. Seine Erhaltung und die Vermehrung der Humusschicht durch biologische Bodenpflege, Fruchtwechsel, Kompostzugaben und regelmäßigem Mulchen steht stattdessen im Mittelpunkt.

Schwere Lehmböden mit hohem Tonanteil: Lehmböden gelten zwar als idealer Gartenboden, allerdings kommt es auf die Zusammensetzung an. Es gibt verschiedene Typen von Lehmböden, darunter auch den schweren Lehmboden mit hohem Tongehalt. Dieser hat daher ähnliche Nachteile wie der recht unfruchtbare Tonboden und benötigt eine Verbesserung (mehr dazu bei den Tonböden).

Schwere Tonböden – neigen stark zur Verdichtung und Staunässe

Vorteile: Tonböden können zwar Nährstoffe gut halten, die Nachteile überwiegen aber.

Nachteile: Tonböden sind nicht einfach zu bearbeiten. Sie sind häufig verdichtet und schlecht durchlüftet. Die Folge sind Staunässe. Pflanzen haben in ihm ständig nasse Füße und können ihn nur schwer durchwurzeln. Wurzelgemüse fühlt sich in ihm daher nicht wohl. Im Frühjahr bleiben die Böden oft lange kühl und nass, sodass man erst spät mit der Bodenvorbereitung beginnen kann.

Nach der Direktsaat keimt das Gemüse in kühleren Jahren nur mühsam, weil es den wärmebedürftigen Sämlingen viel zu kalt ist. Bei Trockenheit tritt beim klebrigen und nassen Tonboden das andere Extrem auf – er wird sehr hart, platzt auf und bildet dabei regelrechte Erdschollen.

Tonböden verbessern: Bei Tonböden muss vor allem die Bodenstruktur verbessert werden. Die Einarbeitung von Sand und regelmäßige Zugaben von Kompost hilft, den Boden zu lockern. Gründüngerpflanzen, die den Boden mit ihren Wurzeln zusätzlich auflockern, können ebenfalls effektiv zur Verbesserung beitragen.

Spargel

Schon gewusst?

Was ist eigentlich ein leichter und schwerer Boden?
Immer wieder hört man von leichten und schweren Böden. Diese Bezeichnungen beziehen sich allerdings nicht, wie man meinen könnte, auf das Gewicht des Bodens, sondern wie viel Kraftaufwand seine Bearbeitung erfordert. Je höher der Tongehalt, desto schwerer ist der Gartenboden.

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