Gemüse vorziehen: Aussaat, Pikieren und Auspflanzen

Tomaten Sämlinge

Gemüse aus dem eigenen Garten wird immer beliebter. Damit die Ernte gelingt, müssen viele Gemüsesorten bereits im zeitigen Frühjahr vorgezogen werden. Alle Grundlagen zur Gemüseanzucht, über die Aussaat, das richtige Pikieren und wie du die Pflänzchen abhärtest und auspflanzt, erfährst du hier in der Themenwoche “Gemüse anbauen für Anfänger” auf Botanik Guide.

Ab Ende Februar ist die ideale Zeit, um Gemüse auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorzuziehen. Gartenanfänger fragen sich dabei oft, wann und vor allem wie sie das Saatgut aussäen sollen. Ein Blick auf die Samenpackungen liefert zwar erste Hinweise, aber was bedeuten Vorkultur und Direktsaat von Gemüse eigentlich genau? Und was gibt es bei der Gemüseanzucht zu beachten?

Was ist der Unterschied zwischen Vorkultur und Direktsaat?

Bei der Direktsaat wird das Gemüse direkt ins Freiland bzw. in das vorgesehene Beet ausgesät. Dort keimen die Samen und wachsen zu kräftigen Pflänzchen heran. Der Vorteil: Die Pflanzen gewöhnen sich an die Wachstumsbedingungen im Freien und bilden meist ein tieferes Wurzelwerk aus.

Direkt ausgesätes Gemüse kommt daher etwas besser mit Trockenheit zurecht und ist schossfester (schießt/wächst nicht so schnell in die Höhe). Allerdings eignen sich nicht alle Gemüsearten für die Direktsaat. Diese werden deshalb erst in einem Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorgezogen, bevor sie als junge Pflänzchen ausgepflanzt werden.

Warum ist bei vielen Gemüsesorten eine Vorkultur nötig?

Einige Gemüsesorten haben eine längere Kulturdauer
Die meisten Gemüsesamen benötigen Wärme zum Keimen. Bis es dazu im Garten warm genug ist, wäre es allerdings zur Aussaat für einige Sorten viel zu spät. Bei einer späteren Direktsaat im Freien hätten manche Gemüsearten dadurch nicht mehr ausreichend Zeit, um vor dem ersten Herbstfrost reif zu werden. Durch die Vorkultivierung auf der Fensterbank erhalten diese Pflanzen einen Wachstumsvorsprung. Auf diese Weise lassen sich auch kälteempfindliche Gemüsesorten anbauen, für die die Vegetationsperiode bei uns normalerweise zu kurz ist.

Vorgezogenes Gemüse kann man früher ernten
Gemüse, das robuster und weniger empfindlich gegen Kälte ist, kann man hingegen wahlweise in Töpfen vorziehen oder zu einem späteren Zeitpunkt direkt ins Beet säen. Durch den Wachstumsvorsprung haben vorgezogene Jungpflanzen den Vorteil, dass man das erste Gemüse der neuen Gartensaison schon wesentlich früher ernten kann. Für bestimmte Gemüsearten kann eine Anzucht im Topf sinnvoll sein, um einen möglichen Schädlingsbefall etwas zu mindern. Je nach Sorten haben manchmal größere und kräftigere Gemüsepflanzen bessere Chancen von gefräßigen Raupen, Schnecken & Co. einigermaßen verschont zu bleiben.

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Welche Erde ist zur Anzucht von Gemüse geeignet?

Im Handel gibt es inzwischen zahlreiche Erdsorten für verschiedene Pflanzenarten und Verwendungszwecke. Normale Blumen- oder Gartenerde ist zur Anzucht allerdings nicht geeignet. Diese weist oft eine zu hohe Salzkonzentration auf, die den zarten Wurzeln der Keimlinge schadet. Für die Aussaat wird daher immer Anzuchterde verwendet, die auch häufig als Aussaaterde angeboten wird. Diese lockere nährstoffarme Erde ist auf die Bedürfnisse der empfindlichen Sämlinge optimal abgestimmt.

Da Samen kleine Kraftpakete sind und von Natur aus alle wichtigen Nährstoffe mitbringen, die sie für die Keimung benötigen, bedarf es keiner Düngung bei der Aussaat. Im Gegensatz zur normalen Erde ist die Anzuchterde weitgehend steril. Dadurch wird verhindert, dass die jungen Pflänzchen von Schädlingen oder Pilzsporen befallen werden.

Die Aussaat: Wie sät man Samen richtig aus?

Die Aussaat ist einfach und erfolgt in nur wenigen Schritten. Zur Anzucht wird häufig ein kleines Zimmer-Gewächshaus verwendet. Alternativ eignet sich auch eine Saatschale, die mit einer Glasplatte abgedeckt wird.

1. Eine Aussaatschale etwa bis zu zwei Drittel mit Anzuchterde füllen.
2. Die Erde leicht andrücken (Ein Brettchen erleichtert das Andrücken)
3. Erde anfeuchten (mit einer feinen Gießkannenbrause)
4. Das Saatgut gleichmäßig auf der Erde verteilen
5. Samen von Dunkelkeimern mit Erde bedecken
6. Erde und Saatgut leicht andrücken

Saatschale für die Gemüseanzucht
Aussaatschale
Aussaat in Saatplatten
Samen in der Aussaatplatte
Aussaat gießen
Gießkanne mit feiner Brause

Was sind Dunkel- und Lichtkeimer?
Wenn es um die Aussaat geht, ist die Annahme weit verbreitet, dass Samen immer tief in die Erde gesteckt werden müssen. Dies trifft jedoch nicht auf alle Pflanzenarten zu. Tatsächlich unterscheidet man zwischen verschiedenen Samentypen, den sogenannten Dunkel- und Lichtkeimern.

Dunkelkeimer werden durch Licht in der Keimung gehemmt und kommen beim Aussäen daher tiefer in die Erde.

Lichtkeimer hingen benötigen Licht zur Keimung und dürfen, je nach Pflanzenart, entweder gar nicht oder nur mit einer sehr dünnen Erdschicht bedeckt werden.

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Der ideale Standort zur Gemüseanzucht

Die optimale Keimtemperatur
Die meisten Gemüsesamen benötigen Wärme und keimen bei etwa 20 °C. Um die optimale Keimtemperatur zu erreichen, sollte die Anzuchtschale oder das Zimmer-Gewächshaus an einem warmen Platz, wie z. B. auf die Fensterbank über der Heizung gestellt werden. Da die Erde hierbei schnell trocken wird, ist das regelmäßige Anfeuchten mit einer Sprühflasche sehr wichtig. Die Keimlinge dürfen nach der Aussaat nicht austrocknen, weil sie sonst absterben.

Genug Licht für kräftige Jungpflanzen
Sobald die Samen keimen, können die Jungpflanzen an einen hellen und etwas kühleren Ort gestellt werden. Zum Wachsen benötigen die Pflänzchen jetzt viel Licht. Je mehr Sonnenlicht sie bekommen, desto besser und kräftiger können sie sich entwickeln.

Botanik Guide Tipps

Beheizbare Mini-Gewächshäuser fürs Zimmer
Manchmal findet man in der Wohnung keinen geeigneten Ort, der Warm genug ist. Einige Gemüsesorten haben zudem eine hohe Keimtemperatur. Für diese Fälle gibt im Fachhandel auch beheizbare Mini-Gewächshäuser.

Pflanzen-Lampen verbessern das Wachstum
Während die Tage im Frühjahr noch recht kurz sind, kann es oft schwierig sein einen ausreichend hellen Platz zu finden. Meist kommt es dann zu Lichtmangel, sodass die Pflänzchen schnell vergeilen und gelbe Blätter bekommen. Unter einer speziellen Pflanzen-Lampe, auch LED-Pflanzenlicht genannt, gedeihen die Keimlinge hingegen viel besser und wachsen zu kräftigen Gemüsepflänzchen heran. Hier im Fachhandel gibt es dazu sogar Zimmer-Gewächshäuser mit integriertem Pflanzenlicht*

Pikieren: Wann werden die Sämlinge pikiert und wie?

In der Aussaatschale bilden die Sämlinge bald einen grünen Teppich. Sobald sie die ersten richtigen Blätter entfalten, wird es ihnen schnell zu eng. In der Regel kann man die jungen Gemüsepflänzchen etwa 7-10 Tage nach der Keimung pikieren. Hierbei werden jeweils die kräftigsten Sämlinge ausgewählt und vorsichtig in ein Anzuchttöpfchen gepflanzt. Nach dem Pikieren sollte man die Pflänzchen gut gießen und nicht sofort in die pralle Sonne stellen.

Anzuchttöpfe mit Pikierstäben
Anzuchttöfpe und Pikierstäbe
Tomaten-Sämlinge
Diese Tomaten-Sämlinge bilden neben den Keimblättern die ersten richtigen Blattpaare und sind bereit zum Pikieren.

Anleitung zum Pikieren

1. Anzuchttöpfchen mit Anzuchterde füllen.
2. Mit dem Pikierstab in die Mitte des Töpfchens ein Loch in die Erde bohren.
3. Pflänzchen einzeln mit dem Pikierstab vorsichtig aus der Erde hebeln.
4. Den Sämling an einem Keimblatt nehmen und in das Pflanzloch setzen.
5. Darauf achten, dass die Wurzel gerade sitzt und nicht nach oben gebogen ist.
6. Die Erde um den Sämling leicht andrücken und gießen.

Wie werden Gemüsepflanzen ausgepflanzt?

Rotkohl

Gemüsejungpflanzen abhärten
Bevor die jungen Gemüsepflanzen in den Garten können, müssen sie zunächst abgehärtet werden. Würde man sie gleich ins Beet setzen, wäre das für die kleinen Pflänzchen wie ein Kulturschock. Schließlich kennen sie nur die optimalen Wachstumsbedingungen aus der warmen Vorkultur. An die Außentemperatur, den Wind und die stärkere Sonneneinstrahlung muss sich das Junggemüse daher erst langsam gewöhnen. Die Abhärtung erfolgt etwa 7 – 10 Tage vor dem Auspflanzen.

Dazu kommen die Pflänzchen im ersten Schritt tagsüber ins Freie. Abends werden sie wieder hereingeholt, da meist noch Nachtfröste drohen. In dieser Phase wächst das Gemüse zwar langsamer, wird dadurch aber robuster gegen Wind und Wetter. Wenn keine Frostgefahr mehr besteht, kann das Gemüse im zweiten Schritt auch nachts über draußen bleiben. Zum Schutz wird es dabei immer noch zusätzlich mit einem Vlies abgedeckt.

Botanik Guide Tipp

Auch gekaufte Jungpflanzen abhärten
Im Frühling gibt es fast überall vorgezogene Gemüsepflanzen zu kaufen. Diese sind allerdings nicht immer ausreichend abgehärtet. Im Garten erleben die Pflänzchen aus den Gewächshäusern einen kleinen Schock. Meist erholt sich das Gemüse davon nur langsam und sollten deshalb vor dem Auspflanzen ebenfalls erst an die Bedingungen im Freiland gewöhnt werden.

Gemüse auspflanzen
Der ideale Zeitpunkt zum Auspflanzen, hängt von der jeweiligen Gemüsesorte ab. Kälteempfindliche Setzlinge wie Tomaten, Paprika oder Auberginen werden am besten nach den Eisheiligen (15. Mai) ausgepflanzt, wenn Nachts keine Fröste mehr kommen.

Die Wurzelballen der Setzlinge müssen beim Einpflanzen feucht sein. Vor dem Auspflanzen werden die Jungpflanzen daher für ein paar Minuten in ein Wasserbad gestellt. Anschließend kann es mit dem Auspflanzen losgehen, indem man die Pflänzchen aus dem Topf nimmt und jeweils in ein ausreichend tiefes Pflanzloch ins Beet setzt. Damit das Gemüse ungehindert wachsen kann, sollte man beim Einpflanzen immer genug Abstand zwischen den Pflanzen lassen. Zum Schluss werden die Setzlinge üppig angegossen. Da die Wurzeln im Erdreich noch nicht angewachsen sind, ist in den ersten Tagen nach der Pflanzung eine regelmäßige Bewässerung notwendig.

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