Ach so! Warum platzen Kirschen im Regen?

Im Frühsommer sind die ersten Kirschen reif. Wer eine reiche Kirschernte genießen möchte, sollte das Wetter jedoch gut im Auge behalten und mit der Ernte nicht allzu lange warten. Ein starker Regenguss und die kleinen leuchtend roten Früchte reißen auf. Insekten und Pilze nutzen diese Chance und machen sich über das saftige Fruchtfleisch her, das aus den süßen Kirschen herausquillt. Doch warum platzen Kirschen bei Regen? Und wie lässt es sich verhindern, dass die köstliche Kirschernte einfach so zerplatzt?

Kirschen am Baum

Die Früchte moderner Kirschsorten stehen unter Druck

Es sind meistens die großen Kirschsorten, die nach einem Regenschauer platzen. Dies hat mehrere Gründe. Kirschen sind bekanntlich so lecker, da sie viel Zucker enthalten. Doch der Zucker macht die Kirschen nicht nur süß, sondern zieht auch viel Wasser an.

Wie der Zucker das Wasser anzieht, lässt sich bei einer Schale mit gezuckerten Erdbeeren beobachten. Kaum wurde der Zucker über die Erdbeeren verstreut, tritt auch schon der Erdbeersaft aus den Früchten heraus. Bei den Kirschen ist es genau anders herum. Hier befindet sich der Zucker in der Kirsche. Bei Regen sind die Früchte vollständig mit Wassertropfen benetzt. Das Regenwasser dringt nun über kleine Poren auf der Haut der Kirsche in das innere der Frucht. Dort bindet der Zucker das Wasser.

Die Fruchthaut ist dabei nur einseitig durchlässig. Das bedeutet, dass nur das Wasser durch die Haut eindringen kann. Die Zuckerteilchen sind dagegen zu groß, um durch die kleinen Poren nach außen zu gelangen. Daher bleibt der Zucker, der das Wasser bindet, in den Kirschen und zieht dort weiter Flüssigkeit an. Dadurch sammelt sich immer mehr Wasser in den Kirschen. Chemiker bezeichnen diesen Vorgang als Osmose. Die Kirschen saugen sich dabei komplett voll. Nach einiger Zeit ist der Druck in den Kirschen durch das viele Wasser so groß, dass sie platzen.

Zur Erntezeit ist der Zuckergehalt in den Kirschen am höchsten. Je reifer die Früchte sind, umso großer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nach dem nächsten Regenschauer aufplatzen.

Pralle Kirschen mit rissiger Haut

Doch nicht nur der Zuckergehalt in den Kirschen spielt dabei eine Rolle, sondern auch die Größe der Früchte. Der Handel bietet häufig nur Tafelsorten an. Diese Kirschen wurden so gezüchtet, dass sie extra groß und drall werden. Der Nachteil: Die prallen Tafelsorten platzen leichter. Wenn die Kirschen grün sind, ist die Haut noch dick genug. Sobald die Kirschen allerdings heranreifen werden sie größer. Die Kirschhaut dehnt sich und wird dabei immer dünner.

Mit der Zeit umhüllt nur eine tausendstel Millimeter dünne Haut die ca. 10 g schweren Kirschen. Durch die zunehmenden Spannungen wird die Kirschhaut rissig. Neben den Poren sickert das Regenwasser jetzt auch über die feinen Risse der Haut in das Innere der Kirsche. So nehmen die Früchte das Wasser noch schneller auf.

Wie lässt sich das Platzen der Kirschen verhindern?

Unter den Süßkirschen gibt es neue Züchtungen, deren Früchte platzfester sind. Noch größer ist die Auswahl hingegen bei alten Kirschsorten, die sich bis heute bewährt haben. Alte Sorten haben gegenüber modernen Züchtungen viele Vorteile. Die Kirschbäume sind robuster, gesünder und bringen eine gute Ernte, auch wenn das Wetter in einem Jahr nicht so optimal ist.

Eine der besten Sorten: „Kunzes Kirsche“

Eine besonders wohlschmeckende Süßkirsche unter den alten Sorten ist die „Kunzes Kirsche“. Sie gehört zu den besten Herzkirschen. Die Bäume sind sehr gesund und liefern regelmäßig eine reiche Ernte. Die gelbroten Früchte sind sehr süß und weich. Regen machen der „Kunzes Kirsche“ nichts aus, da die Früchte platzfest sind.

Bei der Sorte handelt es sich um eine Frühkirsche, sodass die Kirschfruchtfliege keine Chance hat, sich über die roten Früchte her zu machen. Ehe die Fliegen aktiv werden, sind die schmackhaften Kirschen schon längst reif und geerntet. „Kunzes Kirsche“ ist ein guter Bestäuber für fast alle anderen Kirschsorten. Sie eignet sich im Streuobst und ist ideal für größere Hausgärten und Selbstversorger. Die Kirschen lassen sich als Tafelfrucht, Kompott oder Marmelade verwenden.

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