Die Winterlinge im Rautal bei Closewitz: Ein beliebtes Naturschauspiel

Jedes Jahr im Vorfrühling, wenn bereits die ersten Frühblüher ihre Blüten in der Frühlingssonne öffnen, wird das Rautal in Jena nahe Closewitz zu einem Besuchermagnet. Das Rautal liegt mitten in einem großen Buchenmischwald, in dem ein spektakuläres Naturschauspiel stattfindet. Sobald die warmen Sonnenstrahlen im Februar und März den Waldboden mit Licht durchfluten, entfalten ca. 1,6 Millionen Winterlinge ihre gelbe Blütenpracht.

Ein gelbes Blütenmeer kündigt im Rautal den Frühling an

Die kleinen Winterlinge bedecken dabei den Wald für drei Wochen mit riesigen Blütenteppichen auf einer Fläche von 5 ha. Der gelbe Blütenflor ist daher zwischen den Baumstämmen schon von Weitem deutlich zu sehen. Das wilde Vorkommen der Winterlinge im Rautal (Thüringen) ist einmalig, da es kein weiteres in dieser Größe gibt. Hierzulande gibt es nur selten Winterlinge in freier Natur, da der kleine Frühblüher ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt.

Vereinzelt findet man verwilderte Winterlinge in der Nähe von Gärten und Parks. Oft handelt es sich dabei um Exemplare, die über Samen aus einem Garten ausgebüchst sind und sich nun außerhalb des Gartenzaunes vermehren. Das außergewöhnlich große Blütenmeer der Winterlinge macht das Rautal bei Closewitz daher zu einem beliebten Ausflugsziel für viele Wanderer und Naturfreunde. Doch wie kam der Winterling, der sonst nur in Gärten vorkommt, eigentlich in das Rautal?

Winterlinge in der Sonne

Winterlinge im Rautal: Vermutlich mit Rebstöcken eingeschleppt

Wie die Winterlinge ins Rautal gelangten und sich dort ansiedelten, wird sich wohl nicht mehr vollständig klären lassen. Es wird vermutet, dass die ersten Winterlinge im 17. Jahrhundert mit Weinreben aus Italien eingeschleppt wurden. Der Winterling fühlt sich im Klima von Weinbaugebieten wohl und wächst dort gerne. Wahrscheinlich befanden sich damals in der Erde, die an den hierzulande eingeführten Weinreben hing, einige Winterling-Knollen. Möglicherweise gelangten die Winterlinge so mit den Rebstöcken zuerst in die Closewitzer Weinberge. Das milde Klima im Rautal ließ die Winterlinge üppig gedeihen. Schließlich fanden die Winterlinge im nahegelegenen Wald ideale Wachstumsbedingungen und vermehrten sich immer weiter. Bereits im Jahre 1803 wurde das bemerkenswerte Winterling-Vorkommen im Rautal erwähnt.

Später im Jahre 1844 schrieb Gustav Heynhold, dass Professor Graumüller aus Jena ihm erzählte, dass er den Winterling im Wald angesiedelt habe. Vermutlich hat Professor Graumüller die gelben Frühblüher aus den Weingärten dort angepflanzt.

Der Blütenflor der Winterlinge im Rautal wächst rasant

Die Winterlinge im Rautal gedeihen auch heute prächtig und vermehren sich immer weiter. Wie schnell der Blütenteppich wächst, ist beachtlich. Im Jahre 1960 betrug die Fläche, die die Winterlinge besiedelten noch 0,2 ha. Mehr als 50 Jahre später ist das gelbe Blütenmeer schon auf eine Fläche von 5 ha herangewachsen.

Doch im Rautal gibt es neben den berühmten Winterlingen noch mehr hübsche Frühlingsblumen zu entdecken. Dort wachsen z.B. auch Schneeglöckchen, Leberblümchen, Blausterne, Hoher Lerchensporn, gelbe und weiße Buschwindröschen, Orchideenarten, Aronstab und viele weitere.

Hunderte Besucher kommen daher jedes Jahr im Rautal in Jena vorbei, um sich das einmalige Blütenmeer anzuschauen. Mit dem traditionellen „Winterlings-Wochenende“, das an einem Februar- oder Märzwochenende stattfindet, wird dann die Blütenpracht des Rautals und die Freude auf den kommenden Frühling gefeiert.

Winterling Blüte

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