Die Mispel: Früher beliebtes und heute vergessenes Winterobst

Die Mispel ist ein altes Kulturobst, das früher sehr populär war, heute aber den meisten nahezu unbekannt ist. Dabei ist die Mispel ein gesundes Winterobst und eine Bereicherung für den naturnahen Garten. Mehr dazu und wie die Mispel schmeckt, den besten Erntezeitpunkt und warum diese einst so weitverbreitete und beliebte Obstart überhaupt in Vergessenheit geraten konnte, erfährst du hier.

Der Wandel vom beliebten Kulturobst zur seltenen Zierpflanze

Früher einmal waren Mispeln so populär und beliebt wie heute der Apfel. Im Mittelalter wurden die goldbraunen Früchte, die ursprünglich aus Westasien stammen, als Winterobst hoch geschätzt und bis ins 20. Jahrhundert in Europa angebaut. Für die Zucht kamen vor allem größere, schmackhafte und kernlose Mispelsorten in Frage. Damals erfreuten sich Mispeln so großer Beliebtheit, sodass sie vor rund 100 Jahren noch fast überall erhältlich waren. Doch die Zeiten änderten sich.

Den meisten, die heute beim Winterspaziergang durch den Park an der Mispel vorbeikommen, fällt sie nur noch als Zierstrauch mit merkwürdigen Früchten auf. Kaum jemand ahnt heutzutage beim Anblick von Mispeln, dass es sich dabei um ein lange Zeit sehr geschätztes Obst handelt. Viele die das Wort „Mispel“ heute zu hören bekommen, fragen sich meist: „Was ist das?“, da diese alte Obstart fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Da die Mispel so wenig bekannt ist, wird sie sogar oft mit der Mistel verwechselt, unter deren Zweigen man sich an Weihnachten küsst. Ebenso unbekannt wie die Mispel, ist der Geschmack ihrer Früchte und oft fragen sich die Leute: „Wie schmecken Mispeln denn eigentlich?“

Mispeln reifen spät – der Genuss kommt erst nach dem Frost

Die ersten Mispeln erscheinen bereits im Frühherbst. Die kugeligen Früchte erinnern etwas an Hagebutten, da die Mispel mit der Rose, Birne und dem Apfel verwandt ist, die alle zu den Rosengewächsen gehören. Im Oktober leuchten die Mispeln goldbraun zwischen dem gelben Laub in der Herbstsonne. Sobald die Nachtfröste kommen, entwickeln Mispeln ihr Aroma. Wer die Mispeln jedoch zu früh bzw. vor dem ersten Frost erntet, wird von dem Geschmack der Früchte zunächst wenig begeistert sein. Die Mispeln sind dann noch steinhart, schmecken säuerlich pfad und hinterlassen auf der Zunge einen pelzigen Belag. Diese Eigenschaft brachte der Frucht den Namen „Steinapfel“ ein.

Die ideale Erntezeit für Mispeln ist daher immer nach dem ersten Frost oder im Winter. Die Schale reifer Mispeln wird dann ledrig und weist dunkle Flecken auf. Erst dann wird das braune Fruchtfleisch musartig-weich und entfaltet sein süß-säuerliches, herbes und leicht nussiges Aroma. Der Geschmack der Mispeln erinnert dabei an Apfelmost. Soll die Ernte dennoch vor dem Frost erfolgen, können Mispeln alternativ zum Nachreifen in einer Obstkiste gelagert werden. Nach etwa drei bis vier Wochen sind die Früchte dann ebenfalls weich und genießbar. Um die Mispeln schneller reifen zu lassen, sollte die Kiste nach draußen gestellt werden, da der Frost die Reifung beschleunigt. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Früchte im Kühlschrank einzufrieren. Sobald die Mispeln wieder auftauen, beginnt deren Fermentierung. Nach einer Weile werden sie dann innen braun und haben ihr typisches Aroma entwickelt und die volle Reife erreicht.

Mispeln in der Küche – vielseitig und gesund

Reife Mispeln können direkt vom Baum geerntet und frisch verzehrt werden. Die Früchte sind auch in der Küche vielseitig verwendbar. Mispeln lassen sich z.B. zu Mus, Püree, Kompott, Marmelade, Gelee, Sirup oder Wein verarbeiten. Das süße und fruchtige Mispelmus passt z.B. zu Kuchen oder Desserts. Mispeln sind dazu sehr gesund und liefern im Winter viele wertvolle Vitamine wie z.B. Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium und Spurenelemente wie Eisen. Früher verwendete man die Heilkraft der Mispel in der Volksmedizin, da sie Entzündungen lindern, der Verdauung helfen, harntreibend sind und Verkalkungsprozessen entgegenwirken.

Wie konnte ein so populäres Kulturobst in Vergessenheit geraten?

Früher wuchs in jeden Bauern- und Klostergarten eine Mispel (Mespilus germanica). Während andere schon damals populäre Obstarten wie der Apfel oder die Birne auch in der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken sind, ist die einst so beliebte Mispel nahezu unbekannt. Doch wie kam es dazu, dass die Mispel, die schon die Römer begehrten, einfach so aus den Köpfen der Leute verschwand?

Wahrscheinlich geriet die Mispel genauso in Vergessenheit wie viele andere alte Obstsorten, die früher zwar sehr beliebt, aber sich für den heutigen Erwerbsanbau und die Massenproduktion nicht lohnen. Für den modernen Erwerbsanbau eignen sich meist nur Obstarten, die hohe Erträge liefern, optisch besonders schön aussehen und sich lange lagern lassen.

Die Mispel enthält bis zu fünf Kerne und im Verhältnis dazu wenig Fruchtfleisch. Sie lässt sich daher nicht so gut industriell nutzen, wie andere Kulturobstarten. Auch was die Lagerfähigkeit betrifft, ist die schnell verderbliche Mispel anderem Obst unterlegen. Die großen und lange haltbaren Äpfel werden somit z.B. klar bevorzugt. Die Mispel wurde dadurch auf den Wochenmärkten und in den Regalen der Supermärkte selten. Schließlich verschwand die Mispel immer mehr aus den Gärten und Parkanlagen und war damit auch schon bald vergessen.

Mispel
Mispeln als Wildobst – Eine Bereicherung für den naturnahen Garten

Heute wachsen Mispeln oft nur noch vereinzelt im Garten von Wildobstliebhabern oder in botanischen Gärten. Einer der größten Mispelbestände hierzulande ist noch in Heidelberg zu finden, die von der Stadt gepflegt und geschützt werden.

Seit einigen Jahren wünschen sich die Leute jedoch wieder mehr Obstvielfalt auf ihren Tellern und entdecken die alten Obstsorten neu. Wildobst hat daher nun sein großes Comeback und somit erlebt auch die Mispel ihre Renaissance. Mispeln sind vor allem im naturnahen Garten eine Bereicherung.

Von Mai bis Juni verwandeln sich die strauchartig wachsenden Mispelbäume in nahrhafte Bienenweiden. Scharenweise Insekten tummeln sich in den großen weißen Blüten und laben sich am vielen Pollen und Nektar, den die Mispel spendet. Durch die späte Blütezeit können Spätfröste den Blüten nichts anhaben, dazu ist die Mispel auch selbstfruchtbar. Eine reiche Ernte im Winter ist daher so gut wie sicher. Pro Jahr liefert ein Mispelbäumchen dabei etwa 60 bis 80 kg Früchte, über die sich auch die Vogelwelt in der kalten und kargen Jahreszeit freut.

Mispeln sind pflegeleichte Obstbäume und eignen sich auch für kleinere Gärten. Die Bäumchen erreichen eine Höhe von etwa fünf Metern und bleiben im Wuchs recht kompakt. Im Vergleich zu anderen Obstbäumen sind Mispeln sehr anspruchslos und kommen auch ohne regelmäßigen Schnitt aus. Die Mispel liebt sonnige Plätzchen und gedeiht dort am besten. Gleichzeitig können die Früchte in der Sonne besser reifen.

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