Junifruchtfall: Warum Apfelbaum & Co. so viele Früchte verlieren

Unreife Äpfel Junifruchtfall

Anfang Juni werfen Obstbäume oft viele noch unreife Früchte ab. Häufig denken Gärtner daher, dass ihren Apfel- oder Birnbäumen vielleicht etwas fehlt oder krank sein könnten. Hier erfährst du, was es mit dem Phänomen auf sich hat und warum dieser natürliche Vorgang für Obstbäume wichtig ist. Mit dabei: Wie du mit dem jährlichen Junifruchtfall und einer rechtzeitigen Fruchtausdünnung die Qualität deiner Obsternte verbessern und einer Alternanz der Obstbäume verhindern kannst. Das und mehr in diesem Beitrag aus der Artikelserie “Ach so!” von Botanik Guide.

Wenige Wochen nach dem imposantem Blütenschauspiel der Obstbäume hängen an Apfel, Birne & Co. reichlich grüne Früchte, die eine üppige Ernte im Herbst versprechen. Doch sobald sich im Juni der Frühsommer ankündigt, lässt sich beobachten, wie die Obstbäume einen Großteil der Früchte vorzeitig abwerfen. Wo man auch hinsieht, überall liegen plötzlich unter den Bäumen massenhaft kleine grüne Fruchtkugeln, die alle schon vor der Reife auf den Boden gefallen sind. Bei Äpfeln lässt sich dieses Phänomen besonders häufig beobachten. Für manch einen Gärtner ist dies oft ein trauriger Anblick – schließlich hätte aus den kleinen grünen Kugeln doch einmal ein saftig leckeres Tafelobst werden können. Viele fragen sich deshalb, warum die Obstbäume im Garten eigentlich jedes Jahr im Juni immer so große Mengen an Früchten verlieren.

Junifruchtfall
Unreife Früchte beim Junifruchtfall

Der Junifruchtfall ist bei Obstbäumen ein wichtiger Vorgang

Bei diesem Naturphänomen, das einigen sicher schon einmal in Gärten oder Parks aufgefallen ist, handelt es sich um den sogenannten „Junifruchtfall“. Der Junifruchtfall ist eine natürliche Auslese. Die Obstbäume werfen dabei alle Früchte ab, die im Frühling nicht genug befruchtet wurden. Der Vorgang lässt sich nicht nur bei Apfelbäumen, sondern z.B. auch bei Birnen, Pflaumen, Aprikosen oder anderen Obstarten beobachten.

Doch woher weiß eigentlich der Baum, welche Früchte nicht genug befruchtet sind? Dazu hat die Natur einen genialen Trick entwickelt. Der Baum wartet sozusagen einfach auf die Rückmeldung der Früchte. Wenn z.B. eine junge Frucht ausreichend befruchtet ist und damit das Potenzial hat ein köstlicher Apfel zu werden, sendet diese bestimmte Signale an den Baum. Schließlich kann nur ein gut befruchteter Apfel perfekte Samen zur Fortpflanzung des Baumes bilden. Die Signale senden die jungen Äpfel dabei über Wachstumsregulatoren und Pflanzenhormone. Über diesen Weg übermitteln die Früchte den Baum normalerweise die Botschaft, sie mit Nährstoffen, Zucker und Wasser zu versorgen.

Alle Äpfel, die ungenügend befruchtet wurden, bilden hingegen zu wenig Hormone. Der Baum bekommt dadurch keine Nachricht von diesen Äpfeln. Die Folge: Der Baum trennt die betreffenden Früchte mit einer Korkschicht am Stielansatz von der Nahrungsversorgung. Die abgetrennten Äpfel bleiben im Wachstum zurück (siehe Bild oben) und fallen beim Junifruchtfall ab. Gleichzeitig trennen sich Apfelbaum & Co. von überzähligen Früchten, für die die Bäume nicht genug Ressourcen haben, um sie voll heranreifen zu lassen. Zu viele Früchte würden selbst den kräftigsten Baum irgendwann überfordern und ihn schließlich mehr Energie und Nährstoffe kosten, als ihm zur Verfügung stehen.

Unreife Früchte Junifruchtfall

Bild oben: Die linke Frucht ist deutlich größer, da sie ausreichend befruchtet wurde. Die rechte dagegen ist deutlich im Wachstum zurückgeblieben und schon gelb, da sie vom Baum nicht mehr versorgt wird. Sie fällt beim Junifruchtfall bald ab.

Unreife Äpfel zu wenige befruchtet

Im Bild: Der junge Apfel in der Mitte ist gut entwickelt, während die übrigen viel kleiner sind. Der Baum wird die kleineren Früchte bald abwerfen.

Von den zahllosen Blüten, die uns jeden Frühling als zartes Blütenmeer begegnen, werden sich nur rund 5% den Sommer über in einen Apfel verwandeln. Obwohl diese Prozentzahl so klein ist, beschenkt uns die Natur im Herbst doch immer wieder aufs Neue mit einer reichen Apfelernte. Genauso mit den anderen Obstarten. Durch den Junifruchtfall ist das reife Obst im Herbst dazu viel aromatischer und extra groß. Findet diese natürliche Auslese jedoch nicht oder unzureichend statt, wirkt sich dies nachteilig für den Baum und die Ernte aus, wie viele Gärtner oft feststellen müssen.

Daher wird empfohlen bei den Obstbäumen im Garten jedes Jahr rechtzeitig eine Fruchtausdünnung vorzunehmen. Die Fruchtausdünnung verbessert die Qualität der Früchte im Herbst und hat einen entscheidenden Einfluss auf die Blüten- und Fruchtbildung im darauffolgenden Jahr. Auf diese Weise lässt sich langfristig die Alternanz bei Apfelbäumen & Co. verhindern. Doch was hat es eigentlich auf sich mit der Alternanz bei Obstbäumen?

Apfelblüte
Apfelblüte

Alternanz bei Obstbäumen: Auf die Apfelschwemme folgt im nächsten Jahr oft die Ebbe

Welcher Gärtner hat das nicht schon einmal erlebt? In dem einen Jahr hängen Apfelbäume oder andere Obstbäume so voller Früchte, sodass sie fast unter ihrer Last zusammenbrechen – und in der nächsten Saison fällt die Ernte dafür umso magerer oder ganz aus. Die Jahre, in denen eine solche Apfelschwemme herrscht, werden auch häufig „Apfeljahre“ genannt.

Da der Baum in diesen Jahren allerdings so viele Früchte mit Nährstoffen und Wasser versorgen musste, leidet meist die Qualität der Äpfel darunter. Der Baum verteilt dann alle seine Ressourcen unter den zahllosen Früchten auf. Äpfel gibt dann an diesen Bäumen zwar reichlich, doch sind die Früchte viel kleiner, weniger aromatisch und nicht so prächtig gefärbt wie sonst. Ihr Gehalt an gesunden und leckeren Inhaltsstoffen wie z.B. Vitamine, Mineralien, Säuren oder Zucker ist oft ebenfalls niedriger. Für die Bäume ist die Apfelschwemme äußerst kräftezehrend, sodass sie im nächsten Jahr eine Pause benötigen. Meist bilden sie dann nur einige wenige Äpfel, die zwar wieder größer sind, aber häufig von niedriger Qualität sind. Diesen Vorgang nennt man Alternanz. Als Folge haben die Bäume sich zu sehr verausgabt, da sie zu viel Energie in die Fruchtbildung investiert haben. Das macht die Obstbäume unter Umständen anfälliger für Krankheiten.

Grüne Äpfel am Baum

Im Sommer entscheidet sich, wie viel Äpfel der übernächste Herbst bringt

Die Alternanz erscheint bei Obstbäumen im zwei Jahres Verlauf. Die Menge der Früchte hat nämlich direkten Einfluss darauf, wie viele Blüten der Baum im Sommer für das nächste Jahr anlegt. Während die Äpfel heranreifen, entscheidet sich dadurch bereits im Sommer, wie groß die Ernte im darauffolgenden Jahr sein wird. Auch hier sind wieder Pflanzenhormone (Phytohormone) im Spiel. Die Samen der heranreifenden Äpfel senden einen Botenstoff aus, der die Blütenbildung hemmt. Je mehr Früchte also am Baum wachsen, umso mehr Hemmstoffe werden dadurch produziert und desto weniger Blüten bildet der Baum für den nächsten Frühling. Im Jahr einer Apfelschwemme legt der Baum daher kaum neue Blüten an, sodass die Ernte im folgenden Jahr gering ausfällt. In schwachen Apfeljahren gibt es hingegen nur wenig Äpfel, die Hemmstoffe produzieren, weshalb der Baum mehr Blütenknospen bildet. Die Hormone managen sozusagen, wie viele Blüten- und Blattknospen ein Apfelbaum für das jeweilige Jahr anlegt. So reguliert sich die Fruchtbildung immer automatisch an den Ressourcen, die dem Baum zur Verfügung stehen. Manchmal ist auch die Witterung ein Auslöser für die Alternanz bei Obstbäumen.

Spätfroste sorgen im nächsten Jahr für eine Apfelschwemme

In manchen Jahren schlägt der bei Obstbauern gefürchtete Spätfrost zu und zerstört alle Blüten. Die Ernte ist dann meist in diesem Herbst gering oder im schlimmsten Fall verloren. Da wenig bis gar keine Früchte vorhanden sind, die die Blütenbildung hemmen, legt der Baum nach Spätfrösten für den nächsten Frühling besonders viele Blütenknospen an. Die Apfelschwemme ist damit oft in der gesamten Region vorprogrammiert und die Bäume geraten in die Alternanz. Mit einer rechtzeitigen Fruchtausdünnung im Juni kann man eine Alternanz bei Apfelbaum & Co. jedoch langfristig verhindern.

Fruchtausdünnung im Frühsommer verbessert die Qualität der Obsternte

Äpfel am Baum

Von Natur aus können die meisten Bäume ihren Fruchtbehang oft selbst regulieren. Doch manchmal geraten Obstbäume aus dem Gleichgewicht und benötigen oft Jahre, bis die Schwankungen bei der Fruchtbildung wieder abnehmen. Apfelbäume neigen besonders häufig zur Alternanz und oft reicht der Junifruchtfall nicht aus, um dauerhaft gleichmäßige Erträge zu erzielen. Einige Apfelsorten sind für dieses Phänomen anfälliger als andere. Um eine Alternanz der Obstbäume zu verhindern, dünnen Obstbauern und Gärtner die Früchte bereits im Frühsommer rechtzeitig aus.

Die Fruchtausdünnung sollte am besten spätestens bis zum 10. Juni erfolgen, bevor die Bäume die Blütenknospen für das nächste Jahr anlegen. Wer den Termin verpasst hat, kann durch die spätere Ausdünnung dennoch die Qualität der Früchte für den kommenden Herbst verbessern.

Fruchtausdünnung in der Praxis

Unreife Äpfel Fruchtausdünnung
Abbildung 1

Abbildung 1: Die beiden kleineren Äpfel müssen bei der Fruchtausdünnung entfernt werden, damit der Baum seine Kraft in den größeren und stärkeren Jungapfel investiert.

Fruchtausdünnung unreife Früchte
Abbildung 2

Abbildung 2: Auch beschädigte Früchte sollten bei der Fruchtausdünnung entfernt werden. Die Entwicklung der intakten Früchte wird dadurch gefördert.


Hol dir noch mehr nützliche Praxistipps zum Obstanbau mit der Botanik Guide-Buchreihe
Botanik Guide Band 1 alle Geräte

Das könnte Dich auch interessieren …