Pfirsich & Nektarine: Wissenswertes über das beliebte Obst-Duo

Pfirsiche und Nektarinen

Warum wachsen an Pfirsichbäumen manchmal zwei verschiedene Früchte? Und was ist der Unterschied zwischen Weinberg-, Donut- und klassischen Pfirsichen? Woran erkennt man reife Pfirsiche und wieso ist ihre Schale eigentlich so flauschig? Die Antworten darauf, weitere interessante Fakten und wie überraschend vielseitig sich Nektarine & Co. in der Küche verwenden lassen, erfährst du in diesem Beitrag auf Botanik Guide.

Der Hochsommer bringt uns eine Fülle an saftigen Steinobstarten wie die süß duftenden Pfirsiche und Nektarinen. Sobald die ersten Pfirsiche reif sind, herrscht an den Obstständen reger Besuch. Schließlich gehört die köstliche Sommerfrucht zu Deutschlands beliebtesten Obstsorten. Beim Stöbern auf dem Wochenmarkt finden wir in den prall gefüllten Körben eine große Auswahl an weißen, gelben und rotfleischigen Sorten. Darunter auch Spezialitäten wie z. B. platte Pfirsiche oder den begehrten Weinberg-Pfirsich. Doch worin liegt der Unterschied zwischen den Sorten?

Pfirsich und Nektarine sind Zwillinge – das süße Duo wächst am selben Baum

Pfirsiche am Baum

Der Pfirsich (Prunus persica) gehört zu den Rosengewächsen und stammt ursprünglich aus China. Seine samtige Schale, die in der Sonne ihre typisch rote Färbung bildet, ist sein Markenzeichen. Im Rheinland nennt man ihn daher auch Plüschpflaume oder im Dialekt „Plüschprumm“. Dennoch wird er wegen seines Aussehens ab und zu mit seiner kleineren Verwandten, der Aprikose, verwechselt.

Viele betrachten Pfirsiche und Nektarinen als zwei verschiedene Obstarten, etwa wie Birnen und Äpfel. Manche halten Nektarinen sogar für eine Mischung aus Pfirsich und Pflaumen. Wer sie jedoch probiert, merkt, dass dem gar nicht so ist, da beide fast gleich schmecken. In Wahrheit handelt es sich bei der Nektarine um eine glatte unbehaarte Varietät des Pfirsichs, die durch eine Knospenmutation entstanden ist. So kommt es vor, dass am Pfirsichbaum im Garten auf einmal auch Nektarinen wachsen. Hier hat die Natur tatsächlich einen Baum geschaffen, der zwei unterschiedliche Früchte trägt, wie man es eigentlich nur von veredelten Duo-Obstbäumen kennt. In der Regel sind Nektarinen etwas kleiner und süßer. Am Geschmack scheiden sich bisher allerdings die Geister, da es allein über 3.000 Pfirsich- und diverse Nektarinen-Sorten gibt, deren süßlichen Nuancen variieren.

Obwohl Nektarinen bereits im 17. Jahrhundert bekannt waren, wurden sie bei uns erst in den letzten Jahrzehnten populär. Schon ihr Name erinnert an Honig und süßen Nektar. Durch ihre glatte Schale gewinnt sie sogar zunehmend an Beliebtheit. Aber wieso ist ihr Verwandter, der Pfirsich, überhaupt so samtig behaart?

Nektarinen und Pfirsiche
Nektarinen und Pfirsiche

Warum sind Pfirsiche flauschig?

Die flauschige Schale schützt den Pfirsich vor Schädlingen und Wasserverlust. Bei Regenschauern sorgen die Härchen hingegen dafür, dass die Früchte nicht zu viel Wasser innerhalb kürzester Zeit aufnehmen. Der Grund: Im Sommer reifen sie in ihrer Heimat oft in tropisch-heißer Hitze und sind heftigen Regenfällen ausgesetzt. Die Schale ist daher mit einer wasserundurchlässigen Wachsschicht überzogen. Die dichten aufrecht stehenden Härchen bilden hierbei ein zusätzliches Luftpolster, das die Frucht vor zu starken Temperaturschwankungen schützt. Insofern gilt die haarlose Schale der Nektarinen als Gendefekt, durch den sie Wetterextremen schutzlos ausgeliefert sind. In der Hitze schrumpeln sie deshalb schneller und neigen bei Regengüssen zum Platzen, wie man im Garten leider häufiger beobachten kann.

Nektarinen

Gelbe und weiße Pfirsiche – welche schmecken besser?

Allgemein unterscheidet man Nektarinen und Pfirsiche mit gelbem und weißem Fruchtfleisch. Beide Sorten stammen aus China und sind schon lange bekannt, die weißen wurden allerdings erst später populär. Seitdem kommt immer wieder die Frage auf, welche besser schmeckt. Weiße wie gelbe Pfirsiche eignen sich hervorragend zum Frischverzehr und lassen sich in der Küche gleich gut verwenden. Beim Aroma gibt es jedoch Unterschiede: Die weißen Sorten gelten als süßer, obwohl sie ungefähr den gleichen Zuckergehalt wie die gelben haben. Der gelbe Pfirsich hat allerdings einen höheren Säuregehalt und ist deshalb etwas würziger. Welchen Pfirsich man zum persönlichen Favorit erklärt, ist daher Geschmackssache.

Schon gewusst?

Darum landeten weiße Pfirsiche in den USA früher im Müll
Heute sind weiße Pfirsiche in den USA genauso beliebt wie die gelben. Doch das war nicht immer so. Lange Zeit warfen die Bauern weiße Pfirsiche weg oder verfütterten sie an die Tiere. Da die Früchte anfälliger für Druckstellen waren, hatten sie eine schlechtere Lagerfähigkeit. Man dachte, sie seien deshalb schlecht verkäuflich. Durch neue Züchtungen gelang es schließlich, die Festigkeit der Früchte zu verbessern. Weiße Pfirsiche kamen daher erst ab den 1980ern auf den amerikanischen Markt und waren zunächst nur in kleineren Mengen erhältlich.

Was bedeutet „gut steinlösend“?

Viele haben sich vielleicht schon einmal gewundert, warum sich der harte Steinkern bei Pfirsichen, Nektarinen oder Pflaumen manchmal ganz einfach vom Fruchtfleisch löst und beim nächsten Mal wieder unglaublich fest anhaftet. Wie leicht oder schwer sich die Kerne vom Fruchtfleisch trennen lassen, ist von der Sorte abhängig. Alle Sorten werden deshalb zusätzlich in zwei Kategorien eingeteilt: „steinlösend“ (Kern ist einfach zu lösen) und „nicht steinlösend“ (Kern haftet fest am Fruchtfleisch).

Beim Obstkauf steht daher auf manchen Preisschildern „gut oder leicht steinlösend“. Pfirsiche und Nektarinen, bei denen man den Stein ganz einfach vom Fruchtfleisch trennen kann, werden für den Frischverzehr bevorzugt. Früchte mit stark anhaftenden Kernen nimmt man meist zur Weiterverarbeitung.

Plattpfirsiche – wenn fruchtige „Donuts“ auf Bäumen wachsen

Der Plattpfirsich hat von allen gängigen Obstarten wohl die lustigste Form. Sie ist nicht nur platt, sondern erinnert auch an Donuts. Schneidet man die Frucht auf und entfernt den kleineren runden Kern, hinterlässt dieser in der Mitte ein Loch, sodass der Pfirsich wie ein perfekter Donut aussieht. Sogar seine Größe stimmt mit dem beliebten Gebäck fast überein. Deshalb nennt man ihn auch Donut-Pfirsich. Die ungewöhnliche Obstform regt scheinbar bei vielen die Fantasie an, weshalb man den platten Pfirsich unter weiteren Namen wie Saturn- oder Ufopfirsich kennt. Das weiße bis hellgelbe saftige Fruchtfleisch schmeckt würzig mit einem Hauch von Mandel und ist süßer als bei den normalen Pfirsichen. Inzwischen gibt es sogar Platt- bzw. Ufo-Nektarinen, diese werden im Handel aber bislang eher selten angeboten.

Platt- oder Ufopfirsiche

In China kennt man Plattpfirsiche schon lange, wo sie durch eine Mutation an einem normalen Pfirsichbaum entstanden sind. Unsere Obstmärkte eroberten sie allerdings erst vor ein paar Jahren. Nicht selten wurden die Donut-Pfirsiche fälschlicherweise einfach unter Namen wie Wildpfirsich, Bergpfirsich oder als den berühmten Weinbergpfirsich angeboten – obwohl dieser gezüchtete Pfirsich weder in der freien Natur gepflückt noch traditionell zwischen Weinbergen angebaut wurde.

Platt-Nektarinen
Platt- oder Ufo-Nektarinen

Roter Weinbergpfirsich – Obstspezialität aus den Weinbergen an der Mosel

An der Mosel, umgeben von einer malerischen Landschaft, liegt die kleine Stadt Cochem. Die romantische Altstadt mit den hübschen Fachwerkhäusern ist vor allem für ihre vielen Sehenswürdigkeiten und dem guten Wein bekannt. In den Weinbergen wächst dort eine berühmte Obstrarität, die nur die wenigsten zwischen Weinreben vermuten würden – den roten Weinbergpfirsich.

Anders als der herkömmliche Pfirsich haben Weinbergpfirsiche meist ein rotes, manchmal auch weißes Fruchtfleisch und eine dunkelrote Schale. Viele nennen ihn daher Blutpfirsich. Die Früchte sind zudem etwas kleiner. Er schmeckt weniger süß und hat dafür ein würzigeres herberes Aroma, weshalb er sich ideal zum Kochen oder Dünsten eignet. Man kann ihn zwar roh essen, am liebsten wird er aber zu Pfirsichlikör und Schnaps oder vielen weiteren Leckereien wie Marmelade, Kompott, Chutney, Kuchen und Eis verarbeitet. Doch wie gelangte der Pfirsich, der eigentlich aus China stammt, an die Mosel?

Die Kultur des Weinbergpfirsichs geht hierzulande bis ins 16. Jahrhundert zurück. Schon die Römer waren von dem roten Pfirsich begeistert und brachten ihn schließlich in die milden Weinbaugebiete der Mosel, wo die Bäume ideale Wachstumsbedingungen haben. Cochem gehört deshalb heute zu den bekanntesten Anbaugebieten des Weinbergpfirsichs. Während sich die Erntezeit der klassischen Pfirsichsorten im August dem Ende neigt, fängt die Saison der Weinbergpfirsiche mit der Weinlese gerade erst an. Ab September werden diese dann in der ganzen Stadt als regionale Spezialität angeboten. Viele der traditionellen Speisen und Delikatessen aus dem „Mosel-Weinbergpfirsich“ sind dort z. B. auf dem Weinbergpfirsich-Markt zu finden. Aber nicht nur die Früchte sind jeden Herbst ein Highlight. Im Frühling verzaubern die Bäume die Weinberge mit ihren rosa Blüten, die schon von Weitem ein wundervoller Blickfang in der Landschaft sind. In Cochem findet dazu jedes Jahr das Weinbergpfirsich-Blütenfest statt, mit dem das schöne Blütenschauspiel gefeiert wird. Mehr über die Stadt Cochem und den Weinberg-Pfirsich erfährst du hier.

Schon gewusst?

Weinberg-Pfirsiche gibt es auch in Österreich
In Österreich hat der Pfirsichanbau in den Weinbergen ebenfalls lange Tradition. Dort heißt die Spezialität „Weingartenpfirsich“.

Wann sind Pfirsiche reif und schmecken am besten?

Wie bei fast allen köstlichen Sommerfrüchten ist die Erntezeit bei Pfirsichen und Nektarinen nur von kurzer Dauer. Nachdem die ersten Früchte ab Juli reif sind, ist die Saison bis zum Ende des Spätsommers schon wieder vorbei. In der Sonne gereift und frisch vom Baum gepflückt, schmecken sie natürlich am besten. Ob die Früchte wirklich reif sind, erkennt man, wenn sie weich sind und ihren herrlichen Duft verströmen. Beim Probieren bemerkt man jedoch, dass jeder Pfirsich ein etwas anderes Aroma hat, obwohl er vom selben Baum und zum idealen Zeitpunkt geerntet wurde. So schmeckt z. B. der eine sehr saftig, aber eher fad, während einen Ast weiter der schmackhafteste Pfirsich des Baumes hängt. Neben den Wachstumsbedingungen spielt bei der Aromabildung auch die Laune der Natur eine Rolle, die auf diese Weise immer für kleine Überraschungen sorgt.

Pfirsiche reifen am Baum

Pfirsiche oder Nektarinen, die in den Handel kommen, werden aber meist schon geerntet, bevor sie die volle Reife erreichen. Nur so können die noch harten Früchte für längere Transportwege gelagert werden. Beim Händler oder Verbraucher angekommen, können sie dann langsam nachreifen. Auf dem Wochenmarkt erhält man die Früchte daher in unterschiedlichen Reifegraden. Härtere Früchte eignen sich, wenn man sie nicht sofort verarbeiten oder essen möchte. Zum direkten Verzehr gibt es auf Wunsch weichere Pfirsiche.

Woran man zu früh gepflückte Pfirsiche erkennt

Manchmal kommen auch Pfirsiche auf den Markt, die zu früh geerntet wurden. Diese konnten nicht lange genug am Baum ausreifen und schmecken später wenig aromatisch. Normalerweise sind diese Früchte überwiegend gelb gefärbt und weisen einen geringen Rotanteil auf. Da es aber inzwischen neue Sorten gibt, die auch im zu früh gepflückten Zustand leuchtend rot sind, ist die rote Farbe nicht immer ein zuverlässiges Indiz für den Reifegrad. Besser ist es, sich den gelben Streifen auf der Oberseite der Frucht anzusehen, wo sie am Ast hing. Der dünne Zweig verhindert, dass sich die Schale unter ihm rot färbt, sodass dort der typisch helle Streifen entsteht. Dieser sollte, je nach Sorte, hell- bis goldgelb sein. Weist er hingegen grünliche Farbtöne auf, wurde der Pfirsich zu früh geerntet.

Abbildung: Der Schatten vom Ast hinterlässt auf der Nektarine einen gelben Streifen. Manchmal werfen auch die Blätter einen Schatten, sodass die komplette Oberseite der Frucht gelb bleibt. Weist dieser Bereich einen grünlichen Schimmer auf, wurde der Pfirsich zu früh gepflückt.

Nektarinen & Pfirsiche als gesunder Sommersnack

Mit den duftenden Pfirsichen und Nektarinen liefert uns die Natur an warmen Tagen saftig süße Snacks, die sehr nährstoffreich sind. Sie haben nur wenig Kalorien und stecken voller lebenswichtiger Vitamine wie C, B und E sowie Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium. In der Küche kann man aus dem Pfirsich allerdings weit mehr zaubern, als einen einfachen Obstsnack. So mancher staunt, wie vielfältig er sich verwenden lässt.

Pfirsich, Nektarine & Co. – überraschend vielseitig in der Küche

Nektarinen in der Küche

Pfirsiche lassen sich in der Küche erstaunlich vielseitig verwenden. Ihr süßes bis würziges Aroma harmoniert zu vielen Speisen, von denen man gar nicht vermutet, dass man sie überhaupt mit dem Obst kombinieren kann. Die Früchte werden z. B. in verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten verwendet und die seltenen Weinbergpfirsiche isst man gerne mit Steinpilzen. Gemüse und Pfirsiche sind ebenfalls gute Partner mit Tomaten und Rucola als Salat. Manchmal kommen sie auch mit Fenchel in den Salat. Pfirsich-Marmelade ist ein Klassiker, doch mit Erdbeeren und Brombeeren verfeinert, wird der Fruchtaufstrich zu einer wahren Delikatesse.

Für alle, die es gerne etwas würziger mögen, kann der Pfirsich-Marmelade stattdessen auch mit Rosmarin oder Ingwer ein besonderes Aroma verliehen werden. Rosmarin-Pfirsich-Chutneys sind ebenfalls beliebt. Herbe Kräuter und süßes Obst – passt das? Tatsächlich kombiniert man den Pfirsich in vielen Speisen und Getränken mit Basilikum. Die Sommerfrucht schmeckt sogar zu verschiedenen Käsearten und wird auf Käse-Bruschetta und Honig gegessen. Auf dem Nusskuchen oder in Desserts mit Vanille und Zimt passen Pfirsiche ebenso hervorragend. Man kann die Ernte aber auch einfach zu Getränken wie Wein, Rum, Saft und Buttermilch verarbeiten. Wer hätte gedacht, dass sich Pfirsiche für eine so breite Palette unterschiedlichster Gerichte verwenden lassen?

Schon gewusst?

Persipan aus Pfirsichkernen statt echtes Marzipan

Echtes Marzipan ist besonders zur Weihnachtszeit eine beliebte Süßware, die aus Mandeln hergestellt wird. Da hochwertige Marzipanrohmasse recht teuer ist, nimmt man in der Industrie gerne das billigere Persipan als Ersatz, das aus Pfirsich- oder Aprikosenkernen gewonnen wird. Mehr dazu im Beitrag: Die Mandel – Marzipan wächst auf Bäumen

Astern violett

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