Gemüse anbauen: Wie legt man einen Garten an?

Gemüsegarten mit Hochbeeten
Gemüsegarten mit Hochbeeten [©IRINA NAZAROVA]/stock.adobe.com

Das Anlegen eines Gemüsegartens ist im Prinzip relativ einfach. Viele fragen sich, wie gehe ich dabei am besten vor? Am Anfang geht es darum, wie groß der Garten überhaupt sein muss und worauf man z. B. beim Anlegen der Wege und Einteilung der Beete achten sollte. Das und mehr erfährst du in dieser Anleitung „Wie du in neun Schritten einen Garten anlegst“ von Botanik Guide. Inkl. Tricks bei der Beet-Einteilung, die dir die Gartenarbeit von Beginn an erleichtern.

Selbst angebautes Gemüse aus dem Garten wird immer beliebter

Kleingärten für den Gemüseanbau werden zunehmend beliebter. Immer mehr Leute entdecken die Vorteile von selbst angebautem Gemüse wieder. Besonders seit dem letzten Jahr wächst die Nachfrage nach Kleingärten stark. Bereits auf einer überschaubaren Fläche lässt sich täglich frisches Gemüse für die ganze Familie ernten, das dazu frei von Pestiziden ist.

Gemüse aus dem Garten - Wurzelgemüse
Frisch geerntetes Gemüse aus dem Garten [©George Dolgikh]/stock.adobe.com

Durch die direkte Ernte und Verarbeitung schmecken Tomaten, Paprika oder Salat aus dem eigenen Biogarten nicht nur aromatischer, sondern sind auch nährstoffreicher, da lange Lagerzeiten und Transportwege entfallen. Gleichzeitig bereichert der Garten den Speiseteller mit einer fast unbegrenzten Gemüsevielfalt, die man in keinem Super- oder Wochenmarkt findet. Für viele spielt inzwischen auch die Selbstversorgung eine immer wichtigere Rolle, was häufig die Frage aufwirft: Wie viel Anbaufläche wird benötigt, um sich mit dem eigenen Garten selbst versorgen zu können?

1. Die richtige Gartengröße finden

Früher waren Hausgärten wesentlich größer. Heute liegt die durchschnittliche Gartengröße in Deutschland zwischen rund 300 und 400 m². Wie groß der Garten tatsächlich sein sollte, hängt von den persönlichen Bedürfnissen und Gartenkenntnissen ab. Für den Anfang reicht jedoch schon ein kleinerer Garten mit einer Fläche von 100 bis 200 m², um erste Ernteerfolge zu erzielen und Erfahrungen zu sammeln. Mit einem Garten dieser Größe kann sich eine vierköpfige Familie bereits teilweise selbst versorgen.

Wer das Ziel hat, sich mit seinem Garten komplett selbst zu versorgen, sollte eine größere Fläche wählen. Allgemein geht man davon aus, dass zur vollständigen Selbstversorgung eines sechs Personen Haushalts eine Anbaufläche von etwa 1000 m² benötigt wird.

Gartengrößen zur Selbstversorgung

Teilweise Selbstversorgung: 25 m² pro Person
Für Anfänger sind kleinere Gärten mit einer Fläche von 100 bis 200 m² empfehlenswert. Die Anbaufläche ist sehr überschaubar, sodass man zunächst herausfinden kann, wie viel Zeit und Pflegeaufwand der Garten erfordert, bevor eine größere Fläche bebaut wird. Die übrige Beetfläche kann derweil entweder für einfach zu kultivierende Pflanzen wie Kartoffeln, Mais, Bohnen, Erbsen oder zur Gründüngung genutzt werden.

Überwiegende Selbstversorgung: 70 m² pro Person
Gärten mit einer Größe von rund 300 m³ genügen bereits, um einen vier Personen Haushalt zum größten Teil zu versorgen, sodass nur noch wenig Gemüse oder Obst hinzugekauft werden muss.

Vollständige Selbstversorgung: 170 m² pro Personen
Die Anbaufläche von 170 m² pro Person setzt sich hierbei jeweils wie folgt zusammen:

– 20 m² Gemüse zum Frischverzehr wie Tomate, Paprika, Gurken
– 40 m² für Lagergemüse wie Kartoffeln oder Möhren
– 100 m² für Obstbäume, Beerensträucher und Nüsse
– 10 m² für Wege und Komposthaufen

2. Die ideale Aufteilung von Gemüse und Obst im Garten

Bevor es zur eigentlichen Gartenplanung geht, sollte man zunächst feststellen, wie die Lichtverhältnisse im Garten sind. Der Gemüsegarten benötigt einen fruchtbaren Boden, viel Wasser und einen sonnigen Standort. Wer wenig Platz im Garten hat, sollte möglichst alle gut besonnten Lagen für den Gemüseanbau einplanen und die Wege in den Schatten verlegen. So bekommt das Gemüse genug Licht, während auf den Hauptwegen z. B. ein paar Bäume an heißen Sommertagen Schatten spenden. Der Kompostplatz wird am besten in der Nähe der Gemüsebeete angelegt, damit er leicht erreichbar ist. Hierfür eignet sich ein halbschattig bis schattiger Ort.

Wer zusätzlich Obst anbauen möchte, sollte den Obstgarten räumlich vom Gemüse trennen. Der Grund: In der Regel gedeiht das Gemüse unter Obstbäumen schlecht. Deshalb wird der Obstgarten möglichst nördlich des Gemüsegartens angelegt.

Zucchini
Aprikosenbaum

3. Den Garten umzäunen und vor Wildfraß schützen

Unter bestimmten Umständen ist es sinnvoll, die Gemüsebeete oder den gesamten Garten zu umzäunen. Liegt der Garten in Wald- oder Feldnähe kommen häufig hungrige Rehe in der Morgen- und Abenddämmerung zu Besuch. Die putzigen Gäste sind echte Feinschmecker und knabbern an Obstbäumen, naschen an den Blumen und zupfen am zarten Gemüse. Für Wildschweine sind Gemüsebeete und Komposthaufen ebenfalls ein Festmahl. Oft verwüsten auch streunende Hunde und Katzen die Beete.

Um Tiere vom Gemüse fernzuhalten, eignen sich z. B. Staketenzäune. Diese praktischen Rollzäune aus Holz gibt es in verschiedenen Höhen. Sie lassen sich schnell und einfach ohne handwerkliche Erfahrung aufbauen und fügen sich optisch sehr gut in jeden Naturgarten ein. In der Regel reicht eine Zaunhöhe zwischen 1,20 – 2 Metern, je nachdem, welche Tierarten man draußen halten möchte. Ist man sicher, dass man die Aufteilung des Gartens später nicht mehr verändern möchte, eigenen sich auch dauerhafte Zäune, die im Boden verankert werden.

Gartenzaun aus Holz
Gartenzaun aus Holz [©iskov sergey]/stock.adobe.com

Botanik Guide Tipp

Zäune sollten genug Licht durchlassen
Bei der Auswahl des Zauns sollte man darauf achten, dass die Latten noch ausreichend Sonnenlicht in den Gemüsegarten lassen. Zäune mit breiten und zu eng stehenden Latten werfen zu viel Schatten auf das lichthungrige Gemüse.

4. Garten- und Pflanzpläne erstellen

Nachdem fest steht, wie groß der Gemüsegarten wird und wo er entstehen soll, können Pflanzpläne erstellt werden. Ein einfacher Gartenplan erfüllt hierbei gleich mehrere hilfreiche Funktionen. Anhand der Pflanzpläne gewinnt man einen genauen Überblick, wie viel Gemüsepflanzen tatsächlich angezogen oder gekauft werden müssen. So lässt sich die meist begrenzte Anbaufläche effektiver nutzen. Gleichzeitig fällt es leichter festzustellen, wann Gemüsesorten erntereif sind, sodass man die Nachpflanzungen im Laufe des Gartenjahres besser planen kann. Eine noch wichtigere Rolle spielen Pflanzpläne jedoch zur Einhaltung der sogenannten Fruchtfolge.

Gartenplan - Zeichnungen
[©toa555]/stock.adobe.com

Was ist eine Fruchtfolge?

Gemüsearten wie z. B. Tomaten, Erbsen und Kohlarten haben einen unterschiedlich starken Nährstoffbedarf. Je nachdem, wie viel Nährstoffe die Gemüsesorten dem Boden entziehen, teilt man sie in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer ein. Damit der Boden durch Starkzehrer nicht ausgelaugt wird, sollte man Gemüsearten aus der gleichen Pflanzenfamilie nicht jahrelang an derselben Stelle anbauen. Durch die Fruchtfolge (Fruchtwechsel) kann sich der Boden erholen und ermüdet weniger, da sich Gemüse mit hohen und niedrigen Nährstoffbedarf am Standort jährlich abwechseln.

Chillipflanze
Artischocke
Kohl

Einfacher Pflanzplan für die Fruchtfolge
Der Fruchtwechsel lässt sich nach einem einfachen Prinzip im Garten umsetzen:

Schritt 1: Lege im ersten Jahr vier Hauptbeete mit einer Breite von 120 cm an. Neben diese Felder kommt rechts und links noch ein 60 cm breites Randbeet hinzu, sodass man insgesamt 6 Gemüsebeete angelegt hat.

Schritt 2: Jetzt wird jeweils ein Hauptbeet mit Starkzehrern, Mittelzehrern, Schwachzehrern und das vierte mit einer Gründüngung bepflanzt. Die kleineren Randbeete können mit Kräutern und Blumen oder mehrjährigem Gemüse wie z. B. Rhabarber, Meerrettich oder Spargel bepflanzt werden, die immer auf dem gleichen Standort bleiben müssen.

Schritt 3: In den darauffolgenden Jahren wechselt die Bepflanzung jährlich auf den Hauptbeeten. Auf die Starkzehrer folgen im 2. Jahr die Mittelzehrer, im 3. Jahr die Schwachzehrer und im 4. Jahr die Gründüngung. Danach beginnt der Rhythmus wieder von vorne.

Da jeder Garten individuelle Boden- und Platzverhältnisse hat, lässt sich dieses Prinzip nicht immer eins zu eins umsetzen. Bei der Anlage der Gemüsebeete kann deshalb auch etwas improvisiert und die Pläne an die eigenen Bedürfnisse angepasst oder beliebig erweitert werden.

Als Pflanzpläne dienen einfache Skizzen. Sie helfen dabei, sich die Reihenfolge beim Fruchtwechsel über die Jahre zu merken. Um den Überblick über die Gartenpläne und die Pflanzenlisten zu behalten, verwendet man oft handelsübliche Notizbücher oder spezielle Gartentagebücher, die z. B. mit praktischen Aussaatkalendern, Tabellen mit Pflanzpartnern, eintragbaren Pflanzenlisten und vielem mehr auf die Bedürfnisse von Gärtnern und Gärtnerinnen abgestimmt sind.

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5. Gemüsebeete anlegen: optimale Beet-Größen erleichtern die Gartenarbeit

Grundsätzlich kann man Gemüsebeete das ganze Jahr über anlegen. In der Praxis hat sich jedoch der Herbst als der beste Zeitpunkt bewährt. Auf diese Weise kann man den Boden noch mit einer Gründüngung für die kommende Saison vorbereiten. Die Größe der Beete richtet sich meist nach dem Platz, der im Garten zur Verfügung steht. Bei der Gartenarbeit haben sich einige gängige Maße als äußerst praktisch bewährt.

Lauch im Garten
Ölkürbis

Ideale Größen für Gemüsebeete

– Die ideale Breite für ein Gemüsebeet liegt bei 120 cm. So erreicht man bei der Pflege der Pflanzen von jeder Seite aus mühelos die Mitte des Beetes.
– Für Randbeete eignet sich eine Breite von 60 cm.
– Runde Beete sollten einen Radius von maximal 60 cm haben.
– Abstände zwischen den Beeten: 30 cm breite Wege

Wichtig: Nach der Anlage der Gemüsebeete die Erde unbedingt ebnen. Weist der Boden Vertiefungen oder Erhöhungen auf, verteilt sich beim Gießen das Wasser nicht mehr gleichmäßig über die Anbaufläche. Rund um den Beetrand ist zudem ein kleiner Erdwall empfehlenswert, der das Wasser am Wegfließen hindert.

6. Gartenwege anlegen: Breite Hauptwege und schmale Pfade

Gemüse- und Kräutergarten

Im Garten gibt es zwei Arten von Wegen. Die breiten Hauptwege führen zu den einzelnen Gartenbereichen, während schmalere Pfade zwischen den Gemüsebeeten verlaufen. Bei der Gestaltung und Art des Bodenbelags für die Hauptwege sind fast keine Grenzen gesetzt. Im Handel gibt es eine riesige Auswahl an Beton- und Natursteinen. Dauerhafte Hauptwege werden meist gepflastert. In naturnahen Gärten bieten Wege aus Rindenmulch oder in Gras verlegte Trittsteine eine schöne und preiswerte Alternative.

Optimale Größen für Gartenwege

Breite Hauptwege: 50 – 70 cm
Schmale Pfade zwischen den Beeten: maximal 30 cm

Rindenmulch oder Stroh eignen sich auch für die schmalen Pfade im Gemüsegarten. Dazu tritt man die Pfade einfach fest, markiert sie mit dem Rindenhäcksel und grenzt sie rechts und links mit aufgestellten sägerauen Holzbrettern von den Beeten ab.

8. Den Boden vorbereiten

Die meisten Gartenböden erfüllen anfangs noch nicht die Voraussetzungen, um auf ihnen erfolgreich Gemüse anzubauen. Der Boden muss erst vorbereitet oder verbessert werden. Der ideale Zeitpunkt dazu ist im Herbst. Bei neu angelegten Gärten sollte man zunächst herausfinden, um welchen Boden es sich handelt. Die Bodenart gibt einen ersten Anhaltspunkt, wie der Gartenboden gepflegt werden muss und durch welche Kulturmaßnahmen man ihn bei Bedarf fruchtbarer machen kann. Wie du deine Bodenart bestimmen und vorbereiten kannst, erfährst du im folgenden Beitrag: Gartenboden bestimmen und verbessern: So wächst Gemüse üppiger

9. Dem Gemüsegarten mit Beeteinfassungen Struktur verleihen

Gemüse- und Kräutergarten mit Beeteinfassungen
Beeteinfassungen z. B. aus Buchsbaum machen den Garten übersichtlicher [©Olivier Tuffé]/stock.adobe.com

Mit Beeteinfassungen lässt sich die Einteilung der Gemüsebeete übersichtlicher gestalten und optisch aufwerten. Gleichzeitig verhindern sie, dass der Rasen in die Anbaufläche wächst. Unkräuter oder Stauden, die über Wurzelausläufer in die Beete eindringen können, werden ebenfalls durch die Einfassung in Schach gehalten. Dadurch bleibt das mühsame Abstechen von überstehenden Rasenbüscheln an den Beeträndern erspart. Für die Gestaltung von Beeteinfassungen gibt es viele Möglichkeiten und eine große Auswahl an Materialien.

Grüne Beeteinfassungen aus Kräutern, Blumen oder Erdbeeren

Buchsbaum
Lavendel
Tagetes / Studentenblume

Viele kennen den Buchsbaum als Klassiker für Beetumrandungen. In Naturgärten bieten auch winterharte Kräuterhecken oder ein Blütenflor aus kompakten Polsterstauden und einjährigen Sommerblumen aus Ringelblumen, Kapuzinerkresse oder Tagetes einen tollen Blickfang. Wie man eine Kräuterhecke anlegt, erfährst du im Beitrag: Kräuterhecken: Beeteinfassungen mit Kräutern als Buchsbaum-Alternative

Wer seine Anbaufläche noch effektiver nutzen möchte, kann die Gemüsebeete auch mit Monatserdbeeren umranden. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Tafel-Erdbeeren bilden diese keine wuchernden Ausläufer und tragen den ganzen Sommer über Früchte zum Naschen. Mehr über Monatserdbeeren hier im Beitrag über die Erdbeere.

Langfristige Beeteinfassungen aus Naturmaterialien

Einen noch besseren Schutz vor Wurzelausläufern bieten langfristige Einfassungen in einem Betonfundament. Hierzu stehen verschiedene Materialien wie z. B. Naturstein, Holz oder Metall zur Auswahl. Ebenso eignen sich einfache Zäune aus geflochtenen Weideruten oder Holz, die hauptsächlich optisch sehr attraktiv aussehen, allerdings nicht immer alle Staudenausläufer abhalten.

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