Das Hasenglöckchen: Im Wald der blauen Blumen

Spanisches Hasenglöckchen

Waldböden, die sich in ein blaues Blütenmeer verwandeln, soweit das Auge reicht! Dieses beeindruckende Naturschauspiel ist jeden Mai eine große Attraktion in Großbritannien und lässt sich in den Jahrhunderte alten Buchenwäldern Englands beobachten, wenn Millionen von Hasenglöckchen in voller Blüte stehen. Alles rund um die bezaubernden Bluebells in England und wo man in Deutschland ebenfalls ein großes Blütenmeer aus Hasenglöckchen bestaunen kann, erfährst du in diesem Beitrag.

Wie in einem Märchenwald – ein Meer aus Bluebells

Wenn Hyazinthe und Narzisse verblühen, steht der Wonnemonat Mai vor der Tür. Mit dem Aufblühen der letzten Tulpen ist der kurze aber große Auftritt der Frühblüher schon bald wieder vorbei. Doch während sich die Saison der Blumenzwiebeln in den Gärten dem Ende neigt, sorgen Atlantische Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta), auch Bluebells oder Waldhyazinthe genannt, in den über 400 Jahre alten Buchenwäldern Englands für ein spektakuläres Naturschauspiel.

Bevor der zartgrüne Maiwald seine Baumkronen vollständig schließt, verwandelt die kleine Blumenzwiebel den Waldboden in ein beeindruckendes blaues Blütenmeer, das jeden Besucher zum Staunen bringt. Denn die dichten Blütenteppiche aus Millionen von Glockenblüten bedecken im Mai den gesamten Wald – soweit das Auge reicht. Sobald der Hasenglöckchenwald in voller Blüte steht, mutet der Spaziergang wie ein Ausflug in eine Märchenlandschaft an.

Tausende kleine Blütenglöckchen säumen im Buchenwald über weite Strecken die Wege. Wenn die Frühlingssonne den Wald mit Licht durchflutet, schimmert das Blütenmeer in verschiedenen Blau- und Lilatönen. Überall lassen sich dadurch interessante Farben- und Lichtspiele beobachten. Mal führen schmale Pfade durch das blaue Blumenmeer und direkt durch einen hellgrünen lichten Buchentunnel. Dieser mündet in eine Waldlichtung, die die unzähligen Bluebells in eine Augen- und Bienenweide verwandelt haben. Ein anderes Mal gelangt man über die malerischen Wege zu uralten und sagenumwobenen Baumveteranen oder kommt an umgestürzten Baumriesen vorbei, die diese alten und naturbelassenen Buchenwälder prägen. Umgeben von dem üppigen violetten Blütenteppich wirken die über hundert Jahre alten moosbedeckten Bäume noch geheimnisvoller. An warmen Maitagen duften die Bluebells umso intensiver und verströmen süße Duftwolken durch den Wald. Der lila Blütenzauber ist allerdings nur von kurzer Dauer. Je nach Wetterlage, öffnen die Bluebells ab Mitte April die ersten Blüten. Wenige Wochen später ist die Blütezeit etwa Mitte Mai wieder zu Ende.


Video: Bluebell-Blüte in England

Wie beeindruckend das blaue Blütenschauspiel der Bluebells in einem der englischen Wälder aussieht, kannst du im folgenden Video bestaunen.


In England ist die Blüte der Bluebells daher eine große Attraktion, die jeden Frühling viele Besucher in die Wälder lockt. Die ursprüngliche Heimat der Bluebells liegt an den Atlantikküsten von Portugal, Spanien, Frankreich, England, Schottland und Irland. Das Hasenglöckchen liebt daher mildes Klima und gedeiht am besten in alten unberührten Wäldern. Dort können die sensiblen Bluebells ungestört wachsen. Die kleine Waldblume verträgt es überhaupt nicht, wenn man auf sie tritt oder ihre Blüten pflückt. Unter dem dichten Laub der Bäume sind sie zudem besser vor konkurrierenden Pflanzen geschützt, da andere Pflanzenarten in dem dunklen Schatten kaum gedeihen. In englischen Buchenwäldern finden die Hasenglöckchen den idealen Lebensraum und blühen dort besonders dicht und üppig. Knapp 50 % der weltweiten Bluebell-Vorkommen befinden sich in England. Sie gelten als die schönsten Hasenglöckchen-Wälder der Welt und erfreuen sich großer Beliebtheit. Die bezaubernden Bluebells sind sogar die absolute Lieblingswildblume der Briten, wie eine Umfrage der botanischen Wohltätigkeitsorganisation Plantlife im Frühjahr 2015 ergab. Der ursprüngliche Bestand der einheimischen Bluebells in England ist allerdings gefährdet.

Spanisches Hasenglöckchen blau

Spanische Verwandte der Bluebells gefährden heimische Wildvorkommen

Ursprünglich kamen in den Bluebell-Wäldern Englands nur die dort heimischen Atlantischen Hasenglöckchen vor. Schon im späten 17. Jahrhundert waren die Leute so begeistert von der kleinen blauen Blume, sodass sie sie in die Gärten pflanzten. In den offen gestalteten englischen Gärten wollte die Waldblume, die stets den lichten Schatten der Waldbäume sucht, jedoch nicht wirklich gedeihen.

Doch damals war die große Zeit der Pflanzenjäger, die um die Welt reisten, um neue exotische Pflanzenschätze zu entdecken. Von ihren Reisen brachten sie eines Tages das Spanische Hasenglöckchen (Hyacinthoides hispanica) , eine enge Verwandte der Englischen Hasenglöckchen, nach England. Die Spanischen Hasenglöckchen verströmen zwar keinen Duft wie die heimischen, ihre Blüten sind jedoch mindestens genauso bezaubernd. Hinzu kam, dass sie kräftiger wachsen und sich besser an die Standorte in den Gärten anpassen. Schließlich wurde die spanische Verwandte der ursprünglichen Bluebells unter Gärtnern populär.

Einen Nachteil hat das Spanische Hasenglöckchen allerdings: Es büchst gerne aus dem Garten aus und kreuzt sich mit den wilden heimischen Bluebells aus dem Wald. Aus den beiden Arten entstehen daher sehr leicht Hybriden (Hyacinthoides × massartiana), die sich unter die ursprünglichen Atlantischen Hasenglöckchen mischen. Anders herum tauchen oft wilde Bluebells in Gärten auf, die sich in Waldnähe befinden. Finden sie dort waldähnliche Standorte, schlagen die blauen Glockenblümchen schnell Wurzeln und kreuzen sich mit den angepflanzten Spanischen Hasenglöckchen. Oft tragen auch Ameisen zur Verbreitung der Bluebells bei, da sie ihre Samen verschleppen. Die wilden Bluebells sind nur schwer von den Hybriden (Bastard-Hasenglöckchen) zu unterscheiden und könnten im Laufe der Zeit sogar von ihnen verdrängt werden. Das Atlantische Hasenglöckchen steht daher in England unter Schutz.

Bildergalerie: Spanische Hasenglöckchen blühen in mehreren Farben. Blaue Sorten sehen dem Atlantischen Hasenglöckchen zum Verwechseln ähnlich.

Der Unterschied zwischen Spanischen und Atlantischen Hasenglöckchen

Atlantisches Hasenglöckchen

– in England heimisch
– duftet süßlich
– intensivere dunkelblau-violette Blütenfarbe, selten weiß
– Spitzen der Blütenblätter stark nach hinten gerollt (gekräuselt)
– Blütenstiel nickt nach unten zur Seite

Spanisches Hasenglöckchen

– in England durch Kultur angesiedelt
– duftet nicht
– blassere Blütenfarbe (Blau, Violett, Rosa und Weiß)
– Spitzen der Blütenblätter leicht nach hinten gerollt
– steifer, aufrechter Blütenstiel

Bluebell-Blütenwunder in Deutschland – Im Wald der blauen Blumen

Die Bluebell-Woods in England sind wohl am bekanntesten. In Deutschland gibt es jedoch ebenfalls ein großes Vorkommen wilder Bluebells, das bis vor einigen Jahren nur wenigen bekannt war. Das wundervolle Blütenschauspiel des Atlantischen Hasenglöckchens ist hierzulande einzigartig und lässt sich nur in einem bestimmten Buchenwald bewundern – dem „Wald der blauen Blumen“. Das kleine Wäldchen liegt in der Ortschaft Doveren der Stadt Hückelhoven (Nordrhein-Westfalen). Mit einer beachtlichen Größe von 80.000 m² beherbergt er das größte Wildvorkommen Atlantischer Hasenglöckchen in Deutschland. Das entspricht einer Fläche von rund 11 Fußballfeldern.

Das Atlantische Hasenglöckchen ist das einzige, dass bei uns heimisch ist. Hierbei handelt es sich um eine Rarität, denn nur selten hat man das Glück, wilde Vorkommen der kleinen Waldblume zu entdecken. Die Pflanze steht daher hier ebenfalls unter besonderem Schutz. Seit ein paar Jahren wird der „Wald der blauen Blumen“ zunehmend bekannter und entwickelt sich zu einem beliebten Ausflugsziel. An den Wochenenden und vor allem am Maifeiertag, wenn die Hasenglöckchen meist in voller Blüte stehen, kommen immer mehr Besucher vorbei, um die Blütenpracht zu sehen.


Video: Ausflug in den Wald der blauen Blumen in Deutschland

Im folgenden Video gibt es das blaue Blütenmeer in Hückelhoven (Nordrhein-Westfalen) zu bestaunen.


Botaniker waren sich 180 Jahre uneins über den Namen des Hasenglöckchens

Während man die hübsche Waldblume in England hauptsächlich unter dem Namen „Bluebell“ (Blauglöckchen) kennt, ist sie in Deutschland eher als Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) bekannt. Doch wie kam die Blume eigentlich zu diesem Namen? Unter Botanikern gab es lange Uneinigkeit darüber, zu welcher Pflanzengattung das Atlantische Hasenglöckchen gehört. Für Carl von Linné war die kleine Waldblume eine Hyazinthen-Art, die aber zuvor noch niemand beschrieben hat. Deshalb gab er ihr den Namen „Hyazinthus non-scripta“. Andere Wissenschaftler zählten sie zu den Blausternen (Scilla) und gaben ihr die Bezeichnung Scilla non-scripta unter der sie früher vielen Gärtnern bekannt war. Diese Streitigkeit dauerte 180 Jahre und endete erst, als man 1934 für das Hasenglöckchen eine eigene Gattung, die „Hyazinthenartigen“, anlegte. Seitdem lautet der lateinische Name für das Atlantische Hasenglöckchen „Hyacinthoides non-scripta“, das übersetzt so viel wie „unbeschriebene Hyazinthenartige“ heißt.

Spanisches Hasenglöckchen dunkelblau

Wie die kleine Waldblume zu dem deutschen Namen „Hasenglöckchen“ kam, bleibt ebenfalls etwas rätselhaft. So könnte man z. B. meinen, die Pflanze sei vielleicht bei Hasen besonders beliebt. Tatsächlich hat das Hasenglöckchen jedoch wenig mit Kaninchen zu tun. Den Namen erhielt die Pflanze angeblich nur, weil sie manchmal auch auf Wiesen wächst und dort für gewöhnlich Hasen unterwegs sind.

Tipp: Die schönsten Bluebell-Wälder in England
Unter dem folgenden Link findest du eine Auswahl der schönsten Bluebell-Woods in England, die in jedem Fall einen Besuch wert sind. Diese Bluebell-Wälder solltest du unbedingt besuchen.

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