Die Indianernessel: Eine traditionelle Teepflanze aus Nordamerika

Schon die Indianer schätzen die Heilkraft der Goldmelisse und stellen aus den Blättern Oswego-Tee her. Heute ist sie eine beliebte Zierpflanze. Mit ihren würzigen Aromen und bunten Blütenfeuerwerk im Hochsommer, bereichert sie jeden Garten. Bei Insekten ist die Pflanze äußerst beliebt, so sehr, dass sich sogar ein seltenes Verhalten von Bienen an der Indianernessel beobachten lässt. Das und mehr in diesem Beitrag.

Indianernessel Goldmelisse in Violett Indianernessel Goldmelisse rot

Die Indianernessel schmückt mit ihren feuerroten Blüten in den letzten Jahren immer häufiger die Blumenbeete. In Präriegärten ist die winterharte Staude sogar schon gar nicht mehr wegzudenken. In der Küche wird sie als Tee- und Würzpflanze zunehmend beliebter. Inzwischen ist die Indianernessel eine geschätzte Zierpflanze, von der es zahlreiche Sorten gibt. Doch bevor die Indianernessel in die heutigen Gärten Einzug erhielt, galt sie schon lange Zeit als alt bekannte Heilpflanze.

Die Indianerpflanze aus Nordamerika

Ursprünglich stammt die farbenprächtige Teepflanze aus Nordamerika. Erstmals beschrieben wurde die Pflanze im 16. Jahrhundert von dem spanischen Arzt und Botaniker Nicolàs Monardes. In seinen Büchern beschrieb er die damals noch unbekannte Pflanzenwelt aus Amerika. Im Mittelpunkt stand dabei die Entdeckung neuer Heilpflanzen.

Monardes trug auf diese Weise zur Verbreitung vieler Nutzpflanzen bei, die wir heute in jedem Supermarkt finden. Darunter z.B. die Ananas, die Erdnuss und der Mais. Auch der Cocastrauch und der Tabak gelangten durch seine Werke zu mehr Bekanntheit. Er veröffentlichte außerdem die erste Illustration des Tabaks. Zu seinen Ehren benannte Carl von Linné eine Pflanzengattung innerhalb der Lippenblütler „Monarda“. Die Indianernessel (Monarda didyma) trägt daher seinen Namen in ihrer lateinischen Bezeichnung. Seit 1737 bzw. 1756 ist die Indianernessel bereits in Kultur.

Die Heilkraft des Oswego-Tees

In seinen Schriften erwähnt Monardes auch die Heilkraft des Oswego-Tees, den die amerikanischen Ureinwohner aus den Blüten und Blätter der Indianernessel zubereiteten. Die Oswego-Indianer tranken den Tee zur Linderung und Heilung von Kopfschmerzen, Übelkeit, Erkältung, Fieber oder Nervosität. Die aromatische Teepflanze kam so zu ihrem Namen Indianernessel.

Im Volksmund ist sie auch als Goldmelisse, Scharlach-Monarde, Wilde Bergamotte, Pferdeminze oder Riesenbalsam bekannt. Indianernessel-Tee wird jedoch längst nicht mehr ausschließlich von Indianer getrunken. Nach der Einführung der Pflanze genießt man den Oswego-Tee etwa seit dem 18. Jahrhunderts auch in Europa.

Indianernessel als Duftpflanze mit unterschiedlichen Aromen

Die Indianernessel ist ideal für den Präriegarten, der im Sonnenlicht des Spätsommers in den schönsten Farben leuchtet. Genauso schön passt die Indianernessel auch an einen sonnigen Platz im Duftgarten. Bereits vor der Blüte verströmen die Blätter der Pflanze ein intensives würziges Aroma. Der herrliche Duft deutet darauf hin, dass der Sommer vor der Tür steht, denn mit dem Frühsommer im Juni beginnt auch die Indianernessel mit der Blüte.

Jede Art der Indianernessel hat dabei eine etwas andere Duftnote. Dies ist auch ein Grund, warum die Pflanze unter so vielen Namen bekannt ist. Die Goldmelisse (Monarda didyma) duftet z.B. mehr nach Zitrus. Das Aroma der Wilden Bergamotte (Monarda fistulosa) ist dagegen würziger und erinnert an Bergamotte und Oregano.

In der Küche lässt sie sich daher zum Würzen von Speisen verwenden. Die Pflanzen enthalten ätherische Öle, die denen von Thymian ähneln. Wo Thymian zu Einsatz kommt, könnte auch die Indianernesseln dem Essen ihre würzige Note verleihen.

Buntes Blumenfeuerwerk im Hochsommer

Im Sommer entfaltet die Indianernessel ihre ganze Blütenpracht. Unermüdlich leuchten von Juni bis September die Hochblätter der Blütenstände in kräftigen Rot und Violett oder in Weiß bis zart Rosa. Bei den Sorten, die im Handel angeboten werden, handelt es sich meistens um Hybriden. Sie wurden aus der Wildform der Goldmelisse (Monarda didyma) und der Wilden Bergamotte (Monarda fistulosa) gezüchtet. Aus den klassisch roten Indianernesseln entstanden dadurch Sorten mit weiteren Farben. Andere Varianten stammen wiederum nur von der klassisch roten Goldmelisse ab. Die zahlreichen Sorten der Indianernessel variieren in der Farbe und Form der Blüten und in der Wuchshöhe. Beliebte Nektarspender unter den Insekten sind jedoch alle Indianernesseln.

Bienenweide und Nektarraub bei der Indianernessel

Im Garten sind Indianernesseln bunte Bienenweiden. Um die Blüten tummeln sich scharenweise Bienen, Hummeln und Schmetterlinge. Die aromatische Teepflanze kommt daher in Gärten oft als Bienenfutterpflanze zum Einsatz. Mitten im Getümmel der Insekten lässt sich dabei ein seltenes Verhalten von Bienen beobachten.

Normalerweise bestäuben Insekten die Blüten, die sie besuchen. Im Gegenzug erhalten Bienen, Hummel & Co. dafür Pollen und Nektar als Nahrung von der Pflanze. Doch manchmal geht es auch bei diesem fairen Tausch nicht immer mit ganz rechten Dingen zu. Nicht alle Insekten kommen mit ihrem Rüssel an den begehrten Nektar in der Blüte heran. Die Blütentrichter der Indianernessel sind sehr tief und schmal.

Für die kurzen Bienen- und Hummelrüssel ist der Blütentrichter einfach zu lang. Der Nektar scheint dadurch unerreichbar. Trotzdem können Bienen dem süßen Nektar nur schwer widerstehen und wenden einen Trick an. Die Bienen bohren einfach ein Loch in den Blütenansatz. Durch die Öffnung lässt sich der Nektar dann ganz leicht heraussaugen. Diese Abkürzung, die die Bienen nehmen, ist für die Pflanze natürlich alles andere als vorteilhaft.

Indianernessel mit Hummel

Bienen und Hummeln betreiben bei der Goldmelisse oft Nektarraub.

Auf diese Weise kann die Indianernessel nicht bestäubt werden, da die Biene nicht an der Narbe und den Staubblättern vorbeikommt. Die Übertragung von Pollen auf die Narbe bleibt somit aus. Zudem wird so manche Blüte bei der Nektarplünderung zerstört. Hummeln wenden diesen Trick ebenfalls gerne an, auch bei anderen Pflanzen. Meist hinterlassen sie dabei sogar eine noch größere Verwüstung bei den Blüten. In der Botanik nennt man dieses Verhalten „Nektarraub“, da die Insekten die Blüten nicht bestäuben und stattdessen die Pflanzenteile einfach zerstören, um an den Nektar zu gelangen.

Der ideale Standort hängt von der Art und Sorte ab

In ihrer Heimat wachsen Indianernesseln an lichten Waldrändern und auf feuchten Wiesen. Im Garten gedeihen daher die meisten Sorten am besten im lichten Halbschatten. Ideal sind Standorte, an denen die Pflanzen in der Morgen- und Abendsonne stehen. Dennoch sind die Ansprüche an den Standort bei Indianernesseln je nach Sorte verschieden. Während viele Sorten den Halbschatten mögen, wachsen andere lieber in der vollen Sonne.

Als Präriepflanze kommt die Indianernessel mit Trockenheit gut zurecht. Bei lang anhaltenden Trockenperioden blühen die Pflanzen allerdings nicht mehr so üppig und müssen bei Sommerhitze gegossen werden. Da Indianernesseln anfällig für Echten Mehltau sind, sollte der Standort nicht zu trocken sein und die Pflanzen ausreichend Abstand zueinander haben. Auch hier hängt die Resistenz gegen Echten Mehltau von der jeweiligen Sorte ab. Der optimale Boden für die bunten Teepflanzen ist nährstoffreich, leicht feucht und durchlässig. Allgemein sind Indianernesseln pflegeleichte Dauerblüher. Zusammen mit Gräsern, Rotem Sonnenhut, Astilben, Blutweiderich, Schwertlilien, Silberkerzen oder Glockenblumen sind Indianernesseln ein farbenprächtiger Blickfang im Garten.

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